Mittwoch, 24. September 2008

Sex, Drugs & Cumbia

Zum ersten Stichwort hab ich eigentlich nur entfernt was zu schreiben. Genau genommen handelt es sich bei der kleinen Anekdote auch ein wenig um die illegale Raubkopiererei in Suedamerika. Da eine gebrannte DVD naemlich weniger als einen Euro kostet (und ich sowieso noch nirgendwo die Moeglichkeit entdeckt habe Originale zu kaufen), gibt es in diesem 700.000 Mann Staedtchen kein Kino, da das um einiges teurer waere als sich den Film zu kaufen.
Allerdings wohnt man hier ueberwiegend bis zur Hochzeit bei der Familie und es gibt somit keine Moeglichkeit eine aufkeimende Liebe mit einem Kinobesuch zu festigen.
Es gibt aber eine Alternative die aus einem Raum so gross wie einer Besenkammer besteht, einem ollen Sofa und einem Fernseher nebst DVD-Player. Das ganze laesst sich dann recht guenstig mieten. Maximal natuerlich fuer zwei Personen.

Bei dem Thema Drogen moechte ich eigentlich nur ganz kurz erwaehnen, dass ich mich noch nie an einem Ort befunden habe an dem so wenig geraucht wurde.
Ungefaehr nach einer Woche ist mir aufgefallen, dass ich noch nie eine Person hab rauchen sehen. In Bars und Discotheken wird dann zwar einiges nachgeholt, aber wuerde man diese Plaetze meiden so wuerde man nicht mal wissen, dass es Zigaretten gibt.

Cumbia - "Cumbia wird im 4/4-Takt gespielt bei mittlerem Tempo (80-110 bpm), während - anders als bei der Salsa - die Grundschläge auf der 1 und der 3 deutlich markiert werden, oft mit Hilfe einer Marschtrommel".
Meine Beschreibung wuerde allerdings eher so lauten: Lateinamerikanische Klaenge ausgefuehrt von einer lustigen Truppe bei deren Texten es allerdings immer um tragische Liebesgeschichten geht. Eigentlich ganz nett anzuhoeren...waeren da nicht die Transportmittel, Geschaefte und Radiostationen die einen mit dieser Musik regelrecht penetrieren.
Da sich das populaere Repertoire auf eine handvoll Musikstuecke beschraenkt, kann man doch recht schnell eine Ueberdosis bekommen. Anscheinend geht das jedoch nur mir so denn jegliche Altersgruppen froehnen den Cumbia Klaengen wann immer sie Gelegenheit dazu finden.
Auch ich als grosser Musikfreund wollte mir natuerlich das gestrige 1. Internationale Cumbia Festival nicht entgehen lassen. Als ich allerdings nach fuenf Stunden (es war mittlerweile zwei Uhr Nachts an einem Montag) gefuehlte 5cm Bein in den Bauch gestanden hatte musste ich aufgeben. Man muss aber auch dazu sagen, dass es sehr viele unterschiedliche Gruppen waren die sich allerdings alle an ein und dem selben Pool von Titeln bedient haben der wie oben erwaehnt aus einer Handvoll besteht. Ich habe das Prinzip noch nicht ganz verstanden, aber ich werde auf jeden Fall eine Kostprobe (Raubkopie versteht sich) mit nach Hause bringen.

Und in der Zwischenzeit gibt es die ersten Fotos aus Peru unter: http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/sets/72157607456087488/detail/

Freitag, 19. September 2008

Mein Leben in den Anden

Zwei Wochen spaeter und es kehrt tatsaechlich so etwas wie Alltag in mein Leben. Auch wenn der Alltag mir hier wesentlich anstrengender vorkommt als in der Heimat. Mittlerweile bin ich zwei Tage die Woche auch Vormittags im Heim und abends raucht mir dann ganz schoen der Kopf.
Leider wird so langsam deutlich, dass es doch einiger Ausbildung bedarf um mal eben ein paar Kindern etwas beizubringen und ich bin bereits an spanischen Textaufgaben gescheitert.
Es laeuft also meistens darauf hinaus, dass wir malen, aber man darf vielleicht auch nicht zu viel erwarten.
Ich hab aber eine Sache gefunden die den Kindern voellig neu war und zwar hab ich mit ihnen Hip Hop getanzt. Nein, ich hab niemals Tanzunterricht gegeben und hab auch nie professionell getanzt. Aber fuer diese Zwecke hat es tatsaechlich gereicht und das ganze auf spanisch.
Einigen Kindern hat es sehr viel Spass gemacht und natuerlich wurde auch mal ueber die Strenge geschlagen. Ich konnte aber mit einem ohrenbetaeubenden Pfiff auf zwei Fingern ueberzeugen...das musste einfach sein.
Ich wurde sogar von einigen Jungs gefragt wann es die naechste Stunde geben wird und ich wuerde mich freuen mich noch ein wenig mehr einbringen zu koennen, aber fuer die Lehrer war das doch eine ziemlich neue Erfahrung und ich bin mir nicht sicher ob sie das noch mal wiederholen moechten.

Ausserdem haben wir in den letzten Tagen zwei Oefen fertig gestellt.
Man nehme ein paar Ziegelsteine, einige Eisenstangen, ein Blech mit Loechern fuer die Toepfe, einen Blechschornstein und eine sehr grosse Portion Matsch gemixt mit Mulifaekalien. Danach wird froehlich gezimmert, geschmiert und vor allem sehr viel improvisiert.Dabei wird so ziemlich alles verarbeitet was sich so finden laesst um zum Ziel zu kommen. Wenn man dann allerdings die Matsche auf dem ganzen Verteilt und schoen glatt streicht, dann kann sich das Ergebnis sogar sehen lassen. Ich werde bald mal wieder Bilder online stellen.

Ansonsten freu ich mich immer wieder ueber die kleinen Anekdoten im meinem peruanischen Leben. Zum Beispiel wenn mich ein Kind fragt ob ich aus dem Land von Michael Jackson komme oder wenn ich etwas mehr als 1 € fuer einen Haarschnitt bezahle. Ok, es hat auch nur 5 Minuten gedauert, aber das Ergebnis ist gar nicht so schlecht.
Ein Lehrer hat mich gefragt was man denn in Berlin sieht am Ende der Strasse?!? Hier gibt es rundherum nur Berge und jede Aussicht ist von diesem Panorama begrenzt. Wenn man also noch nie aus Huancayo heraus gekommen ist, dann kann man schon mal auf so eine Frage kommen.

Freitag, 12. September 2008

Vom Leben in Peru und anderen schraegen Voegeln

Ich hab mich schon oft gefragt warum es eigentlich die huebschen, sauberen Tauben im Park gibt und die dreckigen, Muell fressenden Tauben in der Stadt mit den verkrueppelten Fuessen.
Warum leben die freiwillig zwischen den Menschen und Autos und ziehen nicht um aufs Land oder auf eine Gruenflaeche? Umziehen muesste sich doch bei denen ziemlich einfach gestalten.

Auf der Busfahrt von Ecuador nach Lima, Peru (die am Ende 30 Stunden dauerte) musste ich oft daran denken. Leider haben die meisten Leute hier keine Wahl und koennen nicht einfach davon fliegen und woanders wohnen. Ich habe auf dem Weg Landschaften gesehen die fuer mich voellig unbewohnbar erscheinen. Obwohl die Panamericana direkt am Meer entlang fuehrte gab es rundherum nur Sand, Sand und noch mal Sand. Und ich spreche nicht von feinem Wuestensand oder weissem Karibikstrand. Vielmehr sah es aus als haette jemand beschlossen ein riesengrosses Wohngebiet zu bauen und nachdem alles dem Erdboden gleich gemacht wurde, einfach aufgehoert. Die Siedlungen stachen dabei nicht wesentlich hervor sondern erschienen mir genauso trist wie alles andere. Mag vielleicht auch an dem Himmel liegen der so grau war wie ich zuvor noch keinen anderen Himmel gesehen hab.

Weitere sechs Stunden Busfahrt in die Anden wurde die Landschaft allerdings ein wenig farbenfroher und so langsam konnte ich mir vorstellen in einem Ort auszusteigen und die naechsten vier Wochen zu verbringen. Allerdings weiterhin ehrlich gesagt mit einem sehr mulmigen Gefuehl.
Mittlerweile bin ich seit fast einer Woche in Huancayo (http://www.huancayoperu.com/), einem netten 700.000 Mann Staedtchen umzingelt von Bergen.
Die Organisation fuer die ich arbeite besteht nur aus einer Person. Einem 25jaehrigen Studenten der es sich zur Aufgabe gemacht hat das Leben in Peru ein wenig zu verbessern, unerschoepflich interessiert ist an anderen Kulturen und uebermaessig dankbar dafuer ist, dass andere Personen sich auf den Weg machen um ihm zu helfen. Dementsprechend gut gehts mir hier auch. Ich habe quasi meinen eigenen Reisefuehrer und bin ueberaus dankbar dafuer, dass ich so tief in die Kultur und das Leben hier eintauchen kann.
Ich esse peruanisch (seeeehr lecker!!!), ich spreche spanisch (immer noch nicht fliessend), ich arbeite in Peru und unterscheide mich fuer diese Zeit auch sonst nicht gross von der Bevoelkerung in Huancayo und das ist ein ziemlich beeindruckendes Gefuehl. Zudem hab ich seit Tagen keinen Touristen, geschweige denn jemanden mit blonden Haaren gesehen.

Morgens fahren Plinio und ich in ein Dorf in der Naehe. Auf dem Land wird hier zum groessten Teil noch auf offenem Feuer gekocht und da das ungesund und gefaehrlich ist besuchen wir die Familien und bauen ihnen Oefen. Dazu allerdings beim naechsten mal mehr.

Nach einem hervorragenden Mittagessen (wir haben eine tolle Koechin!!) gehts fuer mich dann weiter in ein Waisenhaus in der Stadt. Heute hatte ich meinen dritten Tag und so langsam entspann ich mich und kann die Zeit mit den Kindern geniessen. Ich gebe zu, dass ich mich am Anfang an die Rotznasen, die dreckigen und langen Fingernaegel und die Umgangsformen gewoehnen musste. Mittlerweile hab ich allerdings schon einige der Kinder sehr tief in mein Herz geschlossen! Alle sind komplett unterschiedlich, allerdings alle aus sehr schwierigen Familienverhaeltnissen. Einige sind auch geistig sehr mitgenommen.
Ich muss schon sagen, dass ich mir am Anfang vorkam wie in einem Film. Auf der einen Seite der Junge der nicht spricht und den ganzen Tag nur laeuft oder rennt, an meinem Bein ein kleiner Junge der einfach mal eine feste Umarmung braucht und auf der anderen Seite zwei Jungs die gerade Bloodsport nachspielen.
Ich werde demnaechst bestimmt noch viel mehr berichten. So langsam bekomme ich auch wieder Ordnung in meine Gedanken, aber ich muss schon sagen, dass mich das hier alles am Anfang schon ganz schoen durcheinander gebracht hat.

Trotzdem kann ich jetzt schon sagen, es ist toll ein Voluntaer zu sein und ich hab grosses Glueck mit meiner Oranisation. Und wer sagt, dass man sowas nur macht um sich ein reines Gewissen zu beschaffen dem kann ich nur sagen: es funktioniert! Und ich glaube es ist wichtig, dass gerade solche Kinder wissen, dass sie nicht alleine sind und Menschen aus der ganzen Welt sich fuer sie interessieren. Sei es fuer eine Woche, einen Monat oder ein Jahr.
Und wenn ich Huancayo verlasse und einige Familien wegen meiner Hilfe auf einem Ofen kochen koennen, dann werde ich mich noch lange darueber freuen und bestimmt das ein oder andere mal daran denke wenn ich vor meinem Herd stehe.
Ihr seht, ihr braucht mir nicht auf die Schulter zu klopfen, das hab ich selber schon getan ;-)

Trotzdem werde ich garantiert kein Dauervoluntaer wie man sie auf Reisen so oft trifft.
Fuer mich hoert es dann auf wenn ich gefragt werde, ob mein Ipod auch aus der Special Edition ist bei der 10 Dollar nach Afrika gehen....

Donnerstag, 4. September 2008

Kurz ein paar Worte zu Ecuador

Ich bin zurueck in der Wirklichkeit. Genau genommen in Guayaquil in dem Hostel in dem alles begann und Miriam und ich uns nach 1,5 Jahren wieder getroffen haben.
Miriam ist mittlerweile im Flieger zurueck nach Deutschland und ich warte auf meinen 26 Stunden Bus nach Lima.

Allerdings moechte ich Ecuador nicht verlassen ohne noch ein paar Worte zu diesem wunderbaren Land zu verlieren. Vielleicht war es die Reisebegleitung, vielleicht meine besseren Spanischkenntnisse oder mein Magen der sich an das Essen gewoehnt hat. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass mich das Land mehr als begeistert hat und ich nie gedacht haette, dass man hier so viel Zeit verbringen kann und immer noch das Gefuehl hat laenger bleiben zu koennen.
Ecuador hat nicht nur vier Klimazonen sondern in jeder dieser Regionen leben auch komplett unterschiedliche Menchen. Waehrend man an der Kueste natuerlich sehr entspannt (und fast immer barfuss) den Tag beginnt und sich gerne zwischendurch eine kleine Auszeit auf den Wellen, beim Fussball oder mit einer kleinen Siesta goennt, so kommt einem die Bevoelkerung in den Bergen doch wesentlich geschaeftiger vor. Hier wird sich aufgrund der geringen Temperaturen dick eingepackt und die Wangen sehen immer ein wenig verfroren aus. Zudem wird auf den Feldern oder mit dem Vieh gearbeitet und die Vegetation scheint wie das Fleisch auf den Rippen der Rinder oder Ziegen nicht besonders ueppig.
Und dann sind da natuerlich noch die Bewohner des Dschungels ueber die ich eigentlich gar nicht viel sagen kann und die mir erscheinen als hingen sie irgendwo zwischen alten Traditionen und neuester Technik.
Waehrend auf die Kunst der Schamanen vertraut wird droent moderne Musik aus den Holzhuetten, angetrieben durch Solarenergie.
Auf den Galapagos Inseln findet sich vielleicht ein Mix aus allem wobei hier der Tourismus natuerlich immer und ueberall ist. Wenn man dann allerdings die Schulkinder sieht die nach der Schule mit einem Boottaxi ihren Heimweg ueber tuerkisenes Wasser antreten waehrend neben ihnen die Seehunde schwimmen und ueber ihnen Pelikane kreisen, dann bekommt man das Gefuehl, dass es sie nicht so schlecht getroffen hat.

Was ich eigentlich nur sagen moechte ist, dass Ecuador toll ist und immer wieder eine Ueberraschung bereit haelt! Hier gibt es auf jeden Fall fuer jeden Geschmack etwas und sehr viele hilfsbereite und liebenswerte Menschen haben uns einen wunderschoenen und unkomplizierten Aufenthalt beschert!

Trotzdem hat es die ein oder andere Erfahrung gegeben, die ich alleine garantiert nicht erlebt haette und ganz bestimmt haette ich niemals so viel tolle Unterhaltungen gefuehrt und so viel und herzlich gelacht!
Deshalb danke ich dir Miriam :-)

Dienstag, 2. September 2008

Neue Fotos

Bevor es weiter nach Peru geht gibt es hier noch ein Update der Ecuador Fotos: http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/sets/72157606712937293/detail/