Mittwoch, 29. Oktober 2008

Wo sind all die Touristen hin?

Das Wort Nebensaison bekommt in Chile eine ganz neue Bedeutung beziehungsweise Dimension. Waehrend man sich in den noerdlicheren Teilen recht problemlos fortbewegen kann, so passiert in Patagonien zu dieser Jahreszeit gar nichts mehr.
Bereits auf der Faehrueberfahrt haben wir uns ueber die Belegung von geschaetzten 30 Passagieren gewundert wenn das Schiff Doppelstockbetten fuer knappe 300 bereit haelt.
Als wir dann allerdings den ersten Hafen ansteuerten und es diverse Adresse aus unseren Reisefuehrern entweder nicht mehr gab oder sie auf unbestimmte Zeit geschlossen waren befuerchteten wir schon, dass hier Menschen in Form von Touristen zu dieser Jahreszeit nicht erwartet werden. Und wenn dann auch noch ein Vulkan ausbricht (keine Angst, war schon im Mai http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,551200,00.html) und die Verbindung in den Norden dadurch empfindlich gestoert wird, dann bleibt einem nur noch die Flucht ueber Argentinien zurueck ins sonnige Weinanbaugebiet.
Eigentlich war es eher eine 22 stuendige Nachtfahrt mit 30Kmh ueber eine Schotterpiste. Allerdings laesst sich mit dem Fluchtgedanken die Unterkunft auf einem traumhaft schoenen, alten Weingut eher rechtfertigen (http://www.casasilva.cl oder www.dickehose.de).
Mit unseren recht abgewohnten Rucksaecken und auch nicht mehr ganz frischer Bekleidung entsprachen wir wohl nicht dem typischen Klientel, aber wir wurden nach allen Regeln der Kunst hofiert und daran konnten auch unsere unzaehligen (wahrscheinlich recht fachfremden) Fragen bei der Weinprobe nichts aendern. Wobei zu erwaehnen waere, dass wir natuerlich auch hier die einzigen waren.

Und da ja so eine Weinprobe auch recht anstrengend sein kann und man sich erst langsam dem Luxus entwoehnen sollte, haben wir als naechsten und leider auch letzten Stop vor Christians Abreise Valparaiso gewaehlt, eine malerische Stadt direkt am Pazifik. Ich wuerde mal sagen, das Treppenviertel Chiles, oder so aehnlich...
Aber was waere diese Naehe zum Wasser ohne Meerblick und wenn man dann noch aufgrund sprachlicher Barrieren den Preis falsch versteht landet man in einer Suite mit dem schoensten Meerblick den ich je geniessen durfte (http://www.zerohotel.com).
Man muss an dieser Stelle aber auch erwaehnen, dass unsere bisherigen Unterkuenfte zum groessten Teil sehr einfach waren und der Luxus aus einer sauberen (Gemeinschafts-) Toilette und einer warmen (funktionierenden) Dusche bestand.
Von den Tieren die mich eines Nachts befallen haben und mir bis heute juckende Stiche bescheren ganz zu schweigen.

Aber Patagonien soll nicht mit einem Nebensatz abgehandelt werden.
Auch wenn die Faehrueberfahrt ein wenig wolkenverhangen war, so bekam man doch einen Eindruck von der unglaublichen Natur die sich in dieser rauhen, zerkluefteten Landschaft verbirgt. Alleine diese Ecke Chiles ist eine Reise wert und es kommt auf jeden Fall auf meine Liste der Regionen die ich noch mal genauer unter die Lupe nehmen moechte.

Samstag, 18. Oktober 2008

Ein bisschen mehr wie zu Hause

Wenn es Jemanden gab der sich vor langer Zeit mal dran gemacht hat die Erde zu erschaffen, dann war er auf jeden Fall betrunken oder in Experimentierlaune als Chile an der Reihe war.
Hier findet man einfach alles: Palmen neben Kastanienbaeumen, Geckos auf Schneekuppen oder Rapsfelder am Fusse eines Vulkans.
Man kriegt fast heimelige Gefuehle und trotzdem wartet hinter dem naechsten Berg immer wieder eine Ueberraschungen die man nicht erwartet hat.

Ich habe einige Reisende getroffen die von Chile enttaeuscht waren weil es so wenig Suedamerikanisch anmutet, aber ich muss zugeben, dass ich nicht traurig drum bin, dass man mit Bussen fahren kann ohne Angst zu haben, dass sie gleich auseinander fallen.
Oder dass man nicht staendig sein Gepaeck an sich binden muss um es nicht ploetzlich in dem Besitz eines anderen wieder zu finden.
Natuerlich gibt es das gewisse Lateinamerikanische Flair was dabei ein wenig abhanden kommt, aber schliesslich ist es auch ein Zeichen dafuer, dass es der Bevoelkerung hier wesentlich besser geht als in den anderen Laendern und darueber darf man sich nun wirklich nicht beschweren auch wenn man dafuer etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Ausserdem ist es ein hervorragendes Land um es sich zu zweit gut gehen zu lassen und wir haben in den paar Tagen schon tolle Ausfluege in unterschiedliche Nationalparks gemacht, auf einer Berghuette unter einem unglaublichen Vollmond uebernachtet und die Landschaft genossen die sich hier staendig zu veraendern scheint und immer wieder beeindruckt.

Nur dass mit dem Essen hab ich noch nicht so ganz durchschaut. Hier scheint es zwei Moeglichkeiten zu geben sich kulinarisch zu bereichern.
Die Fast-Food Variante in Form eines Completos (Hot Dog, siehe vorheriger Eintrag) in einer der Imbissbuden die es hier an (wirklich) jeder Ecke gibt.
Oder man gehe in ein Restaurant und isst Fleisch mit Fleisch, ein wenig Fleisch als Beilage und Kartoffeln in frittierter oder gekochter Form.
Allerdings entpuppt sich Chile als das Mallorca des Suedens und mit den deutschen Einwanderern kam auch schmackhaftes Brot und ein paar Restaurants die sich zur Aufgabe gemacht haben dem ungesunden Essen durch eine vegetarische Karte entgegen zu wirken.

Und zum heutigen Abschluss noch ein paar Bilder aus Peru und die ersten aus Chile:
http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/

Freitag, 10. Oktober 2008

Ich komme wieder...keine Frage

Die letzten Tage in Peru waren gepraegt von einem exakt durchstrukturierten, recht straffen Zeitplan.
Entgegen meiner ersten Planung die Strecke Lima - Santiago de Chile in einer 56 stuendigen Busfahrt hinter mich zu bringen hab ich noch eine weitere Sehenswuerdigkeit in Peru eingebaut: die Nazca-Linien (http://de.wikipedia.org/wiki/Nazca-Linien).
Ich wandelte also auf den Spuren Maria Reiches und hab mir die riesigen Figuren aus luftiger Hoehe angesehen die vor ziemlich langer Zeit da in die Wueste gekritzelt wurden und bis heute den Forschern den Kopf zerbrechen.
Also rein in die 4-Mann Maschine (ich war Co-Pilot) und los gehts. Dank eines sehr engagierten Piloten wurde jede einzelne Figur umrundet und spaetestens nach der fuenften hatte ich mich nach einer Tuete umgesehen. Von der ich allerdings nicht gebraucht machen musste.
Gluecklich, beeindruckt und etwas gruen im Gesicht sind wir nach einer halben Stunde wieder gelandet.

Weitere Busfahrten, spannende Orte und interessante Menschen weiter hab ich dann heute Peru vorerst verlassen und mich nach einer unkomplizierten Grenzueberfahrt in einem netten Strandoertchen nieder gelassen um auf meinen morgigen Flug nach Santiago de Chile zu warten.

Ich bin zwar erst ein paar Stunden hier, aber direkt hinter der Grenze veraenderte sich das Bild sehr und alleine der kleine Grenzort Arica erscheint so viel reicher als alle anderen Orte die ich bis jetzt gesehen hab.

Und natuerlich hab ich auch schon die regionale Kueche gekostet: Hot Dog mit Avocado, Tomate, Sauerkraut und Mayonaise. Was fuer ein Willkommensgruss!

Freitag, 3. Oktober 2008

Ein weiteres Abenteuer liegt hinter mir

Heute war es also so weit, ich hatte meinen letzten Tag im Heim und ich muss schon sagen, dass ich diesen Tag ueber die letzte Woche ein wenig herbei gesehnt hatte.
Auf der einen Seite muss ich mir eingestehen, dass ich einfach keine gute Lehrerin bin.
Oder ist es vielleicht gar nicht so schlimm wenn Ricardo anfaengt zu weinen weil ich es nicht schaffe ihm zu erklaeren wie die Uhr funktioniert?
Hinzu kommt, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes oft mit meinem Spanisch am Ende war und zum Schluss einfach auf deutsch angefangen hab zu schimpfen. Ist aber komischer Weise meistens angekommen.
Trotzdem hat es nicht gereicht und mich hat das ein oder andere Kind so sehr zur Weissglut gebracht, dass ich es vielleicht irgendwann mal gepackt und geschuettelt haette. Was eigentlich nicht meinem Naturell entspricht.
Allerdings haben die Jungs es immer wieder geschafft im letzten Moment das Ruder herum zu reissen und ich konnte ihnen nie lange boese sein.
Was mich wohl am meisten aufgeregt hat war, dass ich in meiner Schulzeit die Lehrer am wenigsten ausstehen konnte die immer alles persoenlich genommen haben. Und im Heim war ich kurz davor genau diesen Charakterzug anzunehmen.
Wenn ich dann allerdings den kleinen Knirps Jesus belausche wie er zu Leonel sagt, dass die Hip Hop Stunde ziemlich cool war, obwohl ich ihn fast an den Ohren ins Klassenzimmer schleifen musste, dann ist alles wieder gut.

Im Allgemeinen bin ich immer noch sehr froh ueber diese Erfahrung und ich haette wahrscheinlich nicht mal die Haelfte zu erzaehlen wenn ich einfach nur durch Peru gereist waere.
Trotzdem faellt einem so noch mehr auf wie unterschiedlich die Welten sind und mir wird von Tag zu Tag mehr bewusst, dass ich hier einfach nicht hin gehoere.
Und das liegt nicht daran, dass es nicht immer Wasser gibt, keine Fastfoood Kette oder die Strassen blitzeblank sind.
Es gibt so viele Umstaende die fuer mich zu einem schoenen Leben dazu gehoeren (die nicht immer mit Geld zu tun haben) und die hier einfach unwichtig sind.
Das faengt schon bei der Einrichtung der Wohnung an. Es muss praktisch sein und eine Neonleuchte spendet nunmal viel Licht. Und wenn im Wohnzimmer Platz fuer das Fahrrad ist, warum soll es dann da nicht auch stehen? Sofas sind zum Hinsetzen da, Gardinen vor die Fenster, der Boden praktisch zum sauberhalten und ein Schlafzimmer ist mit einem Bett, einem Schrank und einem Schreibtisch ausreichend eingerichtet. Ich hoffe ihr koennt ein wenig nachvollziehen was ich meine.
Da die Sonne in der Tat sehr aggressiv ist findet auf der Strasse nur geschaeftiges Treiben statt.
Bei uns haette man eine Dachterrasse sofort mit dem noetigen Equipment ausgestattet fuer angenehme Stunden, hier werden die Hunde auf dem Dach gehalten.
Und dann die Geschichte mit dem Popeln...man traegt hier den Finger gerne in der Nase...andere Laender, andere Sitten (sorry Pati, nicht wuergen!).

Ich moechte aber keinen falschen Eindruck hinterlassen, denn ich habe hier ganz viele tolle Menschen kennengelernt und sehr viel Herzlichkeit erfahren und bin Dank meiner Arbeit auf sehr viel Gastfreundschaft und Neugier gestossen.
Auf der Strasse hat sich diese Neugier natuerlich darin geaeussert, dass ich sehr viel angestarrt wurde. Woran man sich zwar ein wenig gewoehnen kann, was einen aber immer wieder spueren laesst, dass man anders ist.
Leider teilte ich mein Schicksal mit einigen Mormonenkindern die hier ihr Glueck versuchen die Bevoelkerung zu bekehren. Auf deren "Hola (wir wissen wie du dich fuehlst, wir sitzen im selben Boot)" haette ich dann auch noch verzichten koennen.

Zum Abschluss noch drei kleine Anekdoten aus dem Andenstaedtchen Huancayo:

Viele Eltern bevorzugen amerikanische Namen fuer Ihren Nachwuchs. Da man sich mit der Schreibweise allerdings oft nicht ganz einig ist entstehen so schoene Namen wie Rosebilt fuer Roosevelt oder Brayan (um nur zwei zu nennen).

Da nicht alle ein Handy besitzen bzw. kein Guthaben aufladen, laufen ueberall Angestellte einer Telefongesellschaft durch die Gegend, bewaffnet mit einigen Mobiltelefonen um sie an vorbeilaufende Passanten fuer ein Gespraech zu vermieten.
Das ist eine Goldgrube!

Und zuletzt moechte ich noch auf das Preis-Leistungsverhaeltnis aufmerksam machen.
Es ist allgemein bekannt, dass man in Suedamerika mehr bekommt fuer sein Geld als in Europa, aber hier mal eine kleine Liste der Sachen die man hier fuer 1€ bekommt: 4 Stunden Internet, oder einen Haarschnitt oder 6 Busfahrten oder 20 Packungen Naehgarn oder 4 Eis oder 8 Salatkoepfe oder 5 Liter Wasser oder oder oder....

So, viel Text, dazu soll es auch Bildmaterial geben: http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/sets/72157607456087488/detail/

Morgen geht es zurueck nach Lima und dann weiter Richtung Sueden bis ich naechste Woche Samstag Christian in Santiago de Chile treffen werde!!