Donnerstag, 26. Juni 2008

Der Weltreisende an sich.

Das mit der Zeit ist schon so eine Sache. Da hat man nun also ein Jahr um alles das zu tun was man gerne moechte oder es halt auch zu lassen. Eigentlich ist es ja genau das von dem man immer traeumt wenn man zum Beispiel bei der Arbeit vor dem Rechner sitzt.

Und ich kann euch sagen, dass es schon einen Grund hat warum man sich das wuenscht, allerdings ist es nicht so einfach wie man sich das immer vorstellt.

Ich gebe zu, dass es weit aus schlimmere Probleme gibt als zu ueberlegen wo man wohl gerne waere, wo man schlafen moechte, was man gerne zum Mittag haette oder ob man lieber heute oder naechste Woche an den Strand faehrt, allerdings kann es ein Leben auch einfacher machen wenn man weiss wann man jeden Tag aufzustehen hat und wo man die meisten Stunden des Tages verbringt.

Darueber allerdings erst uebernaechste Woche mehr, denn momentan bin ich mehr denn je in einen geregelten Alltag zurueck gekehrt.
Ich wohne seit Montag bei einer sehr netten mexikanischen Familie bestehend aus einem aelteren Ehepaar (davon geh ich aus obwohl sie getrennte Zimmer haben) und einem Sohn der fuer meinen Geschmack schon laengst nicht mehr bei seinen Eltern wohnen sollte, aber auch sehr nett ist. Fuer mexikanische Verhaeltnisse sind sie wahrscheinlich recht wohlhabend.

Mein Tag besteht nun also darin um 8.30 Uhr aufzustehen um dann um 9.00 Uhr am Fruehstueckstisch der Familie zu sitzen. Ich verstehe noch nicht viel, aber merke schon wie es von Tag zu Tag besser wird. Das muss es auch denn meine Familie denkt ueberhaupt nicht daran aufgrund meiner Unfaehigkeit langsamer oder deutlicher zu sprechen.
Ich moechte lieber gar nicht wissen was ich schon alles falsch verstanden habe.
Mir ist zum Beispiel nicht klar warum ich einen Eimer mit unter die Dusche nehmen muss dessen aufgefangenes Wasser dann in die Toilette gekippt wird....wie auch immer.

Auf jeden Fall wird dann erstmal mexikanisch gefruehstueckt. Beim Fruehstueck wird hier ueberwiegend Vitamin T eingenommen: Tortillas, Tapas, Tamales....
Ich liebe mexikanisches Essen, aber ich sag euch eins: Ich brauche die naechsten Jahre meine Lebens keins mehr!
Deshalb hab ich meiner liebenswuerdigen Hausdame auch vorsichtig versucht zu erklaeren, dass ich die mexikanische Kueche sehr zu schaetzen weiss, aber dass es in Deutschland nicht ueblich ist so viel zu essen und ob es in Ordnung waere wenn ich nur Fruechte und Brot bekommen wuerde.
Ich glaube es war ok fuer sie und heute morgen gab es zum Ausgleich die reichhaltigste heisse Schokolade meines Lebens. Das versuche ich jetzt noch ein paar Fruehstuecke zu ueberstehen bis ich sie erneut frage ob wir wieder zu einfacher Milch wechseln koennen...
Gibt es einen besseren Weg Spanisch zu lernen?!

Danach hab ich vier Stunden Zeit in der Schule mich von der reichhaltigen Nahrung zu erholen.
Nie in meinem Leben war ich so strebsam! Wir bekommen sogar Hausaufgaben die ich bis jetzt immer gemacht habe. Ich hoffe meine Bemuehungen tragen Fruechte denn ich hab beschlossen nur noch naechste Woche hier zu bleiben um dann am Wochenende zum Meer zu fahren.


Montag, 23. Juni 2008

Wo liegt euer Dorf?

Das war die Frage einer sehr betagten Dame, in einem kleinen Dorf auf dem Weg nach Mitla (http://www.advantagemexico.com/oaxaca/mitla.html), als wir ihr erzaehlt haben, dass wir aus Deutschland sind.
Aline (eine Mexikanerin die in der Schweiz geboren ist) hat ihr dann erklaert, dass ueber Mexiko die USA liegt und dann kommt ein grosses Meer und irgendwann auf der anderen Seite der Welt liegt Deutschland. Das "Ooooohh" als Antwort und den dazugehoerigen Gesichtsausdruck werde ich wohl nie vergessen.

Auch sonst hat mich der Mexikaner an sich schon sehr beeindruckt.
Nach meinem kurzen Aufenthalt hier kann ich wohl schon behaupten, dass sich hier so ziemlich alles um Herz, Schmerz, Liebe und Essen dreht.
Nirgendwo sonst hab ich so verliebte Paerchen gesehen die scheinbar alle ihre Liebe des Lebens gefunden haben. Hier wird unentwegt geknutscht, sich stundenlang in die Augen gesehen, auf Baenken Haendchen gehalten und natuerlich getanzt.
Ich koennte stundenlang im Park sitzen und dabei zu sehen.
Dann wuerde ich vielleicht auch so herrlich schnulzige Lieder schreiben.
Das ganze wird naemlich noch unterstrichen von einer Musikkultur die nur so trieft vor Herz-Schmerz, aber an keinem Ort besser aufgehoben waere als hier.

Musik ist hier allgemein so praesent wie ich es in keinem anderen Land erlebt hab. Zwar hab ich das Gefuehl, dass es manchmal gar nicht unbedingt um den Inhalt geht, sondern eher darum laute Geraeusche zu machen, aber wenn ich dann einen Mexikaner sehe der dazu lauthals mitsingt und einen Gesichtsausdruck macht als haette er diese Geschichte des Liedes auch schon tausend mal durchlebt, dann geht mir das Herz auf und ich wuerde wohl anfangen in seinen Gesang einzusteigen wenn ich den Text koennte.

Freitag, 20. Juni 2008

Autopanne, Kultur und unsere Jungs!

Warum hab ich mir eigentlich Gedanken darueber gemacht ob meine blonden Haare auffallend sein koennen? Ok, ich hab bis gestern niemand anderen mit hellen Haaren gesehen, aber was hier noch viel besser ankommt sind meine gruenen Augen.
Es ist aber nicht so, dass einem staendig hinterher gerufen wird oder so. Die Mexikaner sind da anscheinend ein wenig zurueck haltend. Dafuer konnte ich mich auf einem riesigen Markt durchfuttern und es hiess wohl immer nur, dass ich es umsonst bekomme wegen meiner Augen. Gott sei dank war Anne dabei die dafuer gesorgt hat, dass die Komplimente auch uebersetzt bei mir ankamen.
Auch schoen ist der Brauch der Maenner Luft einzusaugen wenn sie eine (schoene) Frau sehen.
Das hab ich bis jetzt aber nur auf dem Markt erlebt und in den aermeren Vierteln. Nein, keine Angst, ich treib mich in keinen gefaehrlichen Gegenden rum!
Seit gestern abend bin ich in Oaxaca. Ist sehr nett und beschaulich hier. Ich denke hier faellt einem das Ankommen auf jeden Fall leichter. Ankommen aber nicht im Sinne von hin kommen. Das gestaltete sich aus meiner Sicht etwas schwieriger, da wir eine zweistuendige Zwangspause wegen eines platten Reifens einlegen mussten. Ausser mir hat das allerdings ueberhaupt niemanden gekuemmert. War gerade so als haetten wir kurz an einer roten Ampel gehalten. Da moechte und muss ich mir auf jeden Fall noch eine dicke Scheibe von abschneiden!
Heute gab es sogar schon Kultur: Monte Alban! Falls es jemanden interessiert: http://de.wikipedia.org/wiki/Monte_Alb%C3%A1n
Hab mich spontan ein paar deutschen Maedels aus meinem Hostel angeschlossen. Die sind zwar alle ein paar Jaehrchen juenger als ich, aber in Kombination mit den Komplimenten vom Vortag und den meist uebergewichtigen Mexikanern um mich rum ergibt das eine ganz schoene Verjuengungskur.
Nicht, dass ich in Zukunft meinen Ausweis auch noch zeigen muss wenn ich Bier trinken moechte...

Hatte meine Reiseplaene extra nach unserer deutschen Elf ausgerichtet. Einen Fernseher zu finden auf dem die EM uebertragen wird ist kein Problem. Unglaublich wie Fussballvernarrt hier alle sind. Die interessieren sich wirklich fuer jedes Spiel. Mit unseren Jubelrufen waren wir zwar alleine, aber die Kellner die uns das Sol brachten haben sich fuer uns gefreut.
Ich muss mir fuers naechste Spiel eine groessere Fangemeinde suchen!
Morgen kuemmere ich mich um den Sprachkurs! Ob jung, alt, Mann, Frau, dick oder duenn, es wird sich hier gerne unterhalten und da moechte ich doch gefaelligst mit machen!

Montag, 16. Juni 2008

Wo bin ich, was mach ich hier und wie gehts eigentlich weiter?

Jetzt ist es also so weit. Ich sitze in London am Flughafen und warte auf meinen Anschlussflug nach Mexico City. Da ich natuerlich das Glueck habe ueber Terminal 5 in Heathrow zu fliegen, wurden fuer das Umsteigen grosszuegige 6 Stunden veranschlagt.
Na ja, so hab ich immerhin Zeit meinen ersten Blogeintrag ausserhalb Deutschlands zu veroeffentlichen.

Ich werde allerdings nicht anfangen von meiner Reise zu berichten bevor ich noch mal allen danke fuer die Party die ihr mit mir gefeiert habt! Die Musik war perfekt (tausend Dank an die DJs!), die Tanzschuhe geschniegelt und staendig im Einsatz, die Kaltgetraenke wurden recht umfangreich konsumiert und es war taghell als ich mit letzter Kraft den Barmann fragte ob ich gehen darf obwohl noch ein paar Leute da waren.
Ich danke euch dafuer, dass so viele wie selbstverstaendlich die Reise nach Berlin angetreten sind und ihr mir einfach einen wunderschoenen Abend beschert habt der mir so viel Kraft fuer meine Reise gibt!
Ich bin immer noch sprachlos wenn ich daran denke was Pati und Eva organisiert haben (ohne Worte...) und hab mir eure lieben Kommentare auf den Kontoauszuegen schon einige male durchgelesen.
Wenn alles so kommt wie ich es mir momentan vorstelle dann werde ich von eurer unglaublich grosszuegigen Geldspritze in die Antarktis fahren und freue mich schon jetzt darauf euch daran teilhaben zu lassen!
Und natuerlich bin ich schon ganz gespannt was es alles auf theworldiswirrwa.blogspot.com zu lesen gibt! Ich bin mir sicher nach einiger Zeit weg von der Heimat interessiert mich mehr als ihr euch vielleicht vorstellen koennt. Danke Jockel!!

So'n Abschied ist schon schwerer als Gedacht. Auf der Party war ich einfach nur gluecklich und es gab keinen Raum fuer traurige Momente, aber nach dem fuenfhundertsten tschuess, den liebsten Menschen um mich und einem akuten Schlafmangel waren doch noch einige Taschentuecher von Noeten.
Mittlerweile konnten die wieder in mein uebergrosses Handgepaeck und der riesengrosse Kloss im Hals verschwindet auch langsam. Ausserdem macht sich ein neues Gefuehl breit und das ist das Kribbeln im Bauch und die Spannung wenn ich daran denke in ein paar Stunden in Mexico City zu sein! Es wurde Zeit, dass es jetzt mal los geht und auch wenn ich noch nicht weiss wie ich ein Jahr ohne euch aushalten soll, so platze ich vor Neugierde und bin mir sicher die Welt der Reisenden hat mich schneller wieder in ihren Bann gezogen als ich es mir gerade vorstellen kann.