Vor über einem Monat hatte ich wieder heimischen Boden unter den Füßen. Und wenn ich dachte die 10 Monate des Reisens sind schnell vergangen, dann muss ich in den letzten Wochen in einem Zeitloch gewesen sein.
Ich habe mir oft vorgestellt wie es sein wird wieder zu Hause zu sein; Freund, Freunde und Familie wieder zu sehen und hatte die heimliche Befürchtung, daß sich doch mehr verändert hat als alle behaupteten. Oft habe ich von anderen Reisenden gehört, daß man etwas braucht um wieder rein zu kommen und die erste Zeit in Gedanken zum Teil noch weit weg ist.
Ich weiß es jetzt, und es hat sich viel verändert! Familien wurden gegründet, wichtige Entscheidungen getroffen und einfach mal eine ganze Zeit lang ohne mich gelebt (ob das nun Auswirkungen hatte oder nicht). Aber es fühlt sich toll an! Als hätte man auf "Reset" gedrückt. Lange habe ich den Aufenthalt in meiner Heimat an der Nordsee nicht mehr so sehr genossen und die Wochenenden in Hamburg waren wie Urlaub in einer neuen Stadt.
Ich genieße die Dinge auf die ich mich gefreut habe, die ich vermisst hatte und noch mehr auf Vieles das mir erst jetzt wieder bewußt wird. Das Repertoire reicht vom morgendlichen Brötchen holen, der steifen Brise an der Nordsee bis hin zu den Klamotten von denen ich schon vergessen hatte, daß es sie gibt.
Und was war nun das Schönste? Hatte ich auch mal Angst? Bin ich krank geworden? Welches Land hat mir am besten gefallen? Habe ich viele Leute kennen gelernt?
Ich versuche mal die am häufigsten gestellten Fragen ein wenig zusammen zu fassen:
310 Tage war ich unterwegs.
Davon war mein Magen- und Darmtrakt mindestens 60 Tage im Ausnahmezustand (besonders in Mexiko), aber man gewöhnt sich auch daran. Schnell bekommt man einen Blick für die nächste Toilette oder einer ruhigen Ecke in der man sich unauffällig übergeben kann.
Ca. 180 Tage davon hatte ich in meinem Ohr ein Insekt das man mir in Australien entfernt hat. Ist allerdings wohl beim eintreten recht schnell verstorben und hat keinen Unfug gemacht.
1 mal habe ich eine falsche Banknote bekommen. Das ist aber auch alles in Sachen Kriminalität. Was wohl daran liegt, dass es nicht so gefährlich ist wie alle sagen, ich sehr auf mich aufgepasst habe und mein Schutzengel fleißig war.
Durchschnittlich 10 mal am Tag wurde mir in Südamerika ein Kompliment hinterher gerufen. Ich hätte davon welche aufnehmen sollen um sie mir jetzt hin und wieder mal vor zu spielen.
Unzählige male habe ich die Unterkunft und somit das Bett gewechselt was mir überraschend wenig ausgemacht hat. Auch wenn man bedenkt dass dieser Umstand direkt mit dem immer wieder zu packenden Rucksack zusammen hängt.
Gefühlte 23.498 mal habe ich mich gewundert und nicht verstanden was, warum und wieso etwas passiert. Aber mindestens genau so oft habe ich mich darüber gefreut.
Im Schnitt mußte ich mindestens 4 mal am Tag über meinen Schatten springen was die ganze Geschichte sehr anstrengend aber ebenso unvergesslich macht.
Meine Wäsche hat vielleicht 20 Mal Seife gesehen und das kombiniert mit kaltem Wasser und tropischen Temperaturen kann zu einiger Geruchsbildung führen. Die Anzahl der Male die ich meinen Rucksack öffnete und der Ohnmacht nahe Stand möchte ich aus persönlichen Gründen hier nicht veröffentlichen.
Ich esse gerne und scheue nicht vor neuen Geschmacksrichtungen, deshalb komme ich bei der Zahl der verschmäten Gerichte nur auf eine 1 (dabei handelt es sich aber auch um einen für Hühnchen gehaltenen Kuhmagen).
Weggefährten gab es viele und überschreitet bestimmt die 100 Marke, davon schafften es vielleicht 30 zu Facebook und zu 10 hab ich noch Kontakt und es besteht die ernste Absicht sich wieder zu sehen.
So könnte ich jetzt noch stundenlang weiter machen, aber das ganze soll ja auch mal ein Ende haben. Daher nehme ich jetzt den Abspann vorweg und möchte mich noch bedanken.
Bei Christian dem die Zeit wohl mindestens genau so lang vorgekommen ist wie mir und sich trotzdem nichts und alles geändert hat. Meine Familie die mir so viele Schutzengel mit auf den Weg gegeben hat und trotz Bedenken sich nicht zu viel hat anmerken lassen. Adriana die gesagt hat "wenn Anja das sagt, dann macht sie das auch" und ich somit nicht mehr zurück konnte. Miko und Benni für die das auch keine Frage war und schon ein Jahr vorher angefangen haben mich einzudecken. Pati und Eva ohne die meine Reise wohl schon eher zu Ende gewesen wäre. Allen die sich auf den Weg gemacht haben um gemeinsam über Schatten zu springen und natürlich jedem einzelnen der diesen Blog gelesen hat! Ich habe so schöne Rückmeldungen dazu bekommen und hoffe ich konnte ein paar Länder ins Wohnzimmer, an den Arbeitsplatz oder wohin auch immer bringen.
Und wo war es denn jetzt am Schönsten??
ZU HAUSE
Freitag, 22. Mai 2009
War was?!?
Abonnieren
Posts (Atom)