Montag, 20. April 2009

Kurz vor Knapp

Wie werde ich es vermissen...gerade sitze ich mal wieder in einem Internetcafe in Bangkok und es ist eigentlich eher eine Spielhoelle. Ich hatte schon einige solcher Lokalitaeten in denen das Durchschnittsalter bei elf Jahren liegt und man lautstark verkuendet ob es bei dem laufenden Onlinespiel gerade spannend wird. Dazu hoert man Granaten explodieren und Maschinengewehre rattern.
All das kann mich heute nicht aus der Bahn werfen, denn es wird wohl erstmal der letzte offentliche Ort sein an dem ich mich im World Wide Web bewege. Denn heute Nacht geht es nach Hause!

Ich bin mir sicher meine Zeit in Kambodscha wird, wie bei allen anderen Laendern auch, noch reifen und es wird mir als ganz tolles Land in Erinnerung bleiben.
Es wurde sehr viel gelaechelt und gekichert. Wenn es irgendwo nicht weiter ging half das immer!
Leider ist es im Vergleich zu Thailand recht teuer. Was aber eher daran liegt, dass einem wenig Alternativen geboten werden. Wenn man zum Beispiel in Mexiko guenstig reisen wollte, dann hat man sich einfach an die Strasse gestellt und auf ein Pick Up gewartet das fuer sehr wenig Geld die Einheimischen umher faehrt. Das haette in Kambodscha vielleicht auch funktioniert, aber wenn die Verstaendigung sehr eingeschraenkt ist kann sowas abenteuerlich werden. Zudem scheint es einen vorgefertigten Weg fuer Touristen zu geben und weicht man von dem ab stoesst man zum Teil auf grosse Unsicherheit mit dem Umgang eines "Fremden".
Und es ist natuerlich ein armes Land und das Geld der Touristen ist lebensnotwendig.

Schon ertaunlich wie sich Sichtweisen immer wieder veraendern. Bangkok kommt mir ploetzlich sehr sauber, modern und geordnet vor.
Auf jeden Fall geordneter als mein Kopf momentan denn in wenigen Stunden ist das vorbei worauf ich ein Jahr gewartet hab um es dann fast ein Jahr auszukosten.
Zehn Monate in denen alles anders war und jeder Tag aus einem Abenteuer bestand.
Und trotzdem war ich in den letzten zwei Jahren selten so aufgeregt wie jetzt kurz vorm Heimflug!

Daher brauche ich fuer einen passenden Abschlusssatz auch noch ein wenig Bedenkzeit!
Ausserdem kann ich diesen Blog nicht beenden ohne ein knackiges Fazit.
Und das mache ich dann ganz in Ruhe an meinem Rechner ohne Kriegsgeraeusche!

Bis dahin gibts die letzten Fotos: http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/

Donnerstag, 16. April 2009

Ostern auf Rabbit Island

Was soll ich schreiben...wenn ihr wissen wollt wie es mir geht:
Noch vier mal schlafen dann gehts nach Hause!!!
Das hat aber gar nichts mit dem Land zu tun sondern einfach nur damit, dass mein Kopf schon halb im Flieger sitzt und ich denke es ist wohl ein ziemlich gutes Zeichen wenn man sich so sehr auf zu Hause freut.

Darunter leidet allerdings auch ein wenig meine Motivation und Kreativitaet was diesen Blog angeht denn schliesslich kann ich es euch bald persoenlich erzaehlen!

Auf jeden Fall hab ich mich aber an Kambodscha gewoehnt. Bin allerdings auch zufaellig mit meiner Cousine und ihren vier Freunden unterwegs was die Situationen tatsaechlich oefter vereinfacht als verkompliziert.
Phnom Penh war spannend und gar nicht so schlimm wie befuerchtet oder einem erzaehlt wird. Ich konnte nicht feststellen, dass der Verkehr oder das Gewusel allgemein noch schlimmer ist. Wie auch?
Wir haben einiges ueber die Rote Khmer gehoert was einen ganz schoen umhaut vor allem wenn man bedenkt wie kurz das ganze her ist. Man kommt einfach nicht drumherum sich bei dunklen Gestalten im gewissen Alter zu fragen welchen Teil sie in dieser Geschichte gespielt haben.
Man trifft aber immer wieder auf junge Menschen die ueber die Vergangenheit ihres Landes sprechen wollen und auch kein Blatt vor den Mund nehmen wenn es um die Ungerechtigkeiten geht die sich immer noch tag taeglich abspielen.

Danach wurd es dann aber um einiges ruhiger und wir uns in kleinen Kuestenorten und einsamen Inseln aufgehalten.
Es stimmt schon, dass die Straende mit den Thailaendischen nicht mithalten koennen, aber in Thailand findet man wahrscheinlich keine Insel mehr auf der man als absolute Attraktion gilt und sich vor lauter neugieriger Menschen kaum noch retten kann. Da spielt dann auch keine Rolle mehr ob du Geld hast oder wertvolle Gegenstaende. Hauptsache man darf mal anfassen, sich alles genau ansehen und zusammen sitzen um auf welcher Sprache auch immer zu kommunizieren. Vor allem mit Kindern geht das ganz hervorragend und als ich ihnen erlaubt hab meine Haare zu frisieren hatte ich Freundinnen fuers Leben!

Sonntag, 5. April 2009

Sua s'dei Kampuchea

Neues Land, neues Glueck: Kambodscha.
Ich mag generell nicht gerne Grenzen auf dem Landweg ueberqueren da man nie weiss was oder wer einen erwartet und dieses Exemplar war besonders chaotisch.
Ich wuerde behaupten, dass keine Information die ich in den Grenzorten weder auf Thailaendischer noch auf Kambodschanischer Seite bekommen habe der Warheit entsprochen hat.
Auf der Suche nach einem Busbahnhof haben ploetzlich alle Sprache oder Orientierung verloren damit ich mich meinem Touristenschicksal hingebe und schliesslich ein teures Taxi in meinen Zielort nehme. Nicht mit mir! Und da ich mich in Begleitung einer sehr dominanten Franzoesin befand haben wir am Ende verschwitzt, staubig und ziemlich entnervt unseren Willen bekommen.

Zum Glueck liess das Erlebnis nicht auf den Rest des Landes schliessen und seitdem hatte ich es mit sehr hilfsbereiten und freundlichen Menschen zu tun.
Da war zum Beispiel mein Mopedfahrer in Battambang der mich von Tempel zu Reispapierherstellung bis hin zur Fischkaesefabrik gefahren hat. Momentan ist hier Nebensaison und er hat als Fahrer im Schnitt einmal in zehn Tagen einen Auftrag fuer den er ungefaehr 8 Dollar bekommt.
Und da Not bekanntlich erfinderisch macht hat er kurzer Hand seine Mutter und Schwestern an mich vermittelt und ich bekam am darauffolgenden Tag einen Kochkurs in der Geburtshuette meines Fahrers inklusive Einkaufen auf dem Markt (der tatsaechlich noch abenteuerlicher war als die Maerkte dich ich aus Peru kenne).
Es einen Kochkurs zu nennen ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen, aber ich war dabei als Fisch Amok gekocht wurde und durfte bei der Zubereitung helfen. Es war ein tolles Erlebnis zu sehen wie die Familie lebt und mit ihr zusammen zu essen auch wenn ausser dem Fahrer keiner englisch gesprochen hat. Als Ehrengast wurden mir auch die Innereien zuteil die ich grosszuegig mit allen geteilt habe.

Von Battambang ging es mit dem Boot sieben Stunden ueber einen Fluss nach Siem Reap in die Heimatstadt von Angkor Wat. Am Flussufer haben Fischerfamilien gewohnt deren Hausstand zum groessten Teil nur aus einer Haengematte und zwei Toepfen bestand. Mir faellt es schwer darueber eine Meinung zu bilden, hab ich doch immer wieder Kinder gesehen die gut genaehrt am Rand standen um uns froehlich zu winken.

In Siem Reap befinde ich mich ploetzlich wieder in einer ganz anderen Welt, denn fuer die Touristenmassen die Angkor Wat ansteuern hat sich ein Ort entwickelt bei dem auf nichts verzichtet werden muss. Auch hier wird man natuerlich mit der Armut konfrontiert und ich frage mich wie man ein Land bereisen soll in dem man immer wieder in die Situation kommt sich fuer seinen "Reichtum" zu schaemen und nicht weiss wie man reagieren soll.
Muetter mit offensichtlich kranken Kindern auf dem Arm fragen nach Geld und auf der anderen Seite erfaehrt man, dass Kinder hier umsonst behandelt werden und gerade eine Familie die notwendige Operation eines Wasserkopfes abgelehnt hat weil es so die Haupteinnahmequelle ist.
Allerdings sieht man nur wenige die sich ihrem Schicksal hingeben. Auf mich macht es den Eindruck als gebe es sehr viel Hoffnung, dass es nur noch bergauf gehen kann nachdem was das Land schon alles durchgemacht hat und jeder versucht seinen Platz zu finden und auf diverse Weisen Geld zu verdienen.
Dabei muss ich auch bemerken, dass ich mich hier sehr sicher fuehle und ausser ueberhoehten Preisen fuer Touristen keine negativen Geschichten gehoert oder erlebt habe.

Ich befuerchte, dass dieser Blogeintrag recht negativ ausgefallen ist, aber dieser Teil der Reise gehoert auf jeden Fall zu den Erlebnissen die ich nicht missen moechte und man darf auch nicht vergessen, dass Kambodscha ein wunderschoenes Land ist in dem Angkor Wat nur eins von vielen Sehenswuerdigkeiten ist. Wer allerdings jetzt einen Bericht ueber die Wunder und Wirkung von Angkor Wat im Sonnenaufgang erwartet, der hat meinen Eintrag ueber die Ruinen und mich nicht gelesen. Nur so viel: Es war schoen!