Neues Land, neues Glueck: Kambodscha.
Ich mag generell nicht gerne Grenzen auf dem Landweg ueberqueren da man nie weiss was oder wer einen erwartet und dieses Exemplar war besonders chaotisch.
Ich wuerde behaupten, dass keine Information die ich in den Grenzorten weder auf Thailaendischer noch auf Kambodschanischer Seite bekommen habe der Warheit entsprochen hat.
Auf der Suche nach einem Busbahnhof haben ploetzlich alle Sprache oder Orientierung verloren damit ich mich meinem Touristenschicksal hingebe und schliesslich ein teures Taxi in meinen Zielort nehme. Nicht mit mir! Und da ich mich in Begleitung einer sehr dominanten Franzoesin befand haben wir am Ende verschwitzt, staubig und ziemlich entnervt unseren Willen bekommen.
Zum Glueck liess das Erlebnis nicht auf den Rest des Landes schliessen und seitdem hatte ich es mit sehr hilfsbereiten und freundlichen Menschen zu tun.
Da war zum Beispiel mein Mopedfahrer in Battambang der mich von Tempel zu Reispapierherstellung bis hin zur Fischkaesefabrik gefahren hat. Momentan ist hier Nebensaison und er hat als Fahrer im Schnitt einmal in zehn Tagen einen Auftrag fuer den er ungefaehr 8 Dollar bekommt.
Und da Not bekanntlich erfinderisch macht hat er kurzer Hand seine Mutter und Schwestern an mich vermittelt und ich bekam am darauffolgenden Tag einen Kochkurs in der Geburtshuette meines Fahrers inklusive Einkaufen auf dem Markt (der tatsaechlich noch abenteuerlicher war als die Maerkte dich ich aus Peru kenne).
Es einen Kochkurs zu nennen ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen, aber ich war dabei als Fisch Amok gekocht wurde und durfte bei der Zubereitung helfen. Es war ein tolles Erlebnis zu sehen wie die Familie lebt und mit ihr zusammen zu essen auch wenn ausser dem Fahrer keiner englisch gesprochen hat. Als Ehrengast wurden mir auch die Innereien zuteil die ich grosszuegig mit allen geteilt habe.
Von Battambang ging es mit dem Boot sieben Stunden ueber einen Fluss nach Siem Reap in die Heimatstadt von Angkor Wat. Am Flussufer haben Fischerfamilien gewohnt deren Hausstand zum groessten Teil nur aus einer Haengematte und zwei Toepfen bestand. Mir faellt es schwer darueber eine Meinung zu bilden, hab ich doch immer wieder Kinder gesehen die gut genaehrt am Rand standen um uns froehlich zu winken.
In Siem Reap befinde ich mich ploetzlich wieder in einer ganz anderen Welt, denn fuer die Touristenmassen die Angkor Wat ansteuern hat sich ein Ort entwickelt bei dem auf nichts verzichtet werden muss. Auch hier wird man natuerlich mit der Armut konfrontiert und ich frage mich wie man ein Land bereisen soll in dem man immer wieder in die Situation kommt sich fuer seinen "Reichtum" zu schaemen und nicht weiss wie man reagieren soll.
Muetter mit offensichtlich kranken Kindern auf dem Arm fragen nach Geld und auf der anderen Seite erfaehrt man, dass Kinder hier umsonst behandelt werden und gerade eine Familie die notwendige Operation eines Wasserkopfes abgelehnt hat weil es so die Haupteinnahmequelle ist.
Allerdings sieht man nur wenige die sich ihrem Schicksal hingeben. Auf mich macht es den Eindruck als gebe es sehr viel Hoffnung, dass es nur noch bergauf gehen kann nachdem was das Land schon alles durchgemacht hat und jeder versucht seinen Platz zu finden und auf diverse Weisen Geld zu verdienen.
Dabei muss ich auch bemerken, dass ich mich hier sehr sicher fuehle und ausser ueberhoehten Preisen fuer Touristen keine negativen Geschichten gehoert oder erlebt habe.
Ich befuerchte, dass dieser Blogeintrag recht negativ ausgefallen ist, aber dieser Teil der Reise gehoert auf jeden Fall zu den Erlebnissen die ich nicht missen moechte und man darf auch nicht vergessen, dass Kambodscha ein wunderschoenes Land ist in dem Angkor Wat nur eins von vielen Sehenswuerdigkeiten ist. Wer allerdings jetzt einen Bericht ueber die Wunder und Wirkung von Angkor Wat im Sonnenaufgang erwartet, der hat meinen Eintrag ueber die Ruinen und mich nicht gelesen. Nur so viel: Es war schoen!
Sonntag, 5. April 2009
Sua s'dei Kampuchea
Labels:
Kambodscha
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