Mittwoch, 31. Dezember 2008

Der Rutsch im feinen Zwirn

Ich bin immer noch in Sydney und mir ist auch noch nicht langweilig geworden!
Habe nur ein kleines Problem mit meiner Garderobe. Waehrend ich in Suedamerika erstens oefter den Standort gewechselt habe und zweitens mit einer Jeans und einem T-Shirt mich dem Outfit der Allgemeinheit angepasst fuehlte, so komme ich mir hier vor wie der letzte Lumpensammler. Ein feiner Zwirn den ich vielleicht nur zu einem ganz besonderen Anlass tragen wuerde wird hier zum einkaufen uebergeworfen und ich moechte mir gar nicht ausmalen welche Designerstuecke zu Silvester zur Schau getragen werden.
Zum Glueck haben Tina und ich uns nicht Lumpen lassen und auch fuer die entsprechende Abendgarderobe gesorgt. Denn es geht ins Sydney Opera House zu einem Silvesterkonzert welches um 21 Uhr fuer das Familienfeuerwerk unterbrochen wird. Und wenn wir dann nach Beendigung des Konzertes noch die Moeglichkeit bekommen am Hafen zu bleiben, dann werden wir ebenfalls Zeuge des 24 uhr Feuerwerks. Meine Mitbewohner sind bereits heute morgen mit Picknickdecken bewaffnet in einen Park gegangen um dort entsprechende Plaetze frei zu halten und im Botanischen Garten wird wohl schon seit heute morgen um 5 Uhr angestanden bis da um 10 Uhr die Tore aufgehen. Hoert sich nach einer ziemlich grossen Sache an und ich bin schon sehr gespannt.
Also denkt doch mal um 14 Uhr eurer Zeit an uns denn da sind wir bereits in 2009!

In diesem Sinne wuensche ich euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und mir gefaellt die Vorstellung sehr, dass ich dann nicht mehr "bis naechstes Jahr" sagen muss um euch wieder zu sehen!!!

***HAPPY NEW YEAR***

Freitag, 26. Dezember 2008

Erste Eindruecke aus Sydney

Ich freu mich zwar jetzt schon auf naechstes Jahr Weihnachten in der Heimat, aber ein Picknick am Strand war schon eine ziemlich gute Ablenkung. Ausserdem hatte ich so liebe Menschen um mich, dass es so weit weg von zu Hause besser nicht haette sein koennen.

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Mittwoch, 24. Dezember 2008

Frohes Fest

Ich wuensche euch allen ein froehliches und besinnliches Weihnachtsfest mit den Liebsten, leckeren Getraenken und einem famosen Essen!!!
Ich bin in Gedanken bestimmt mal bei dem ein oder anderen und hoffe ihr habt es schoen!


Freue mich sehr, dass ich die Feiertage mit Tina verbringe und mit frisch gemachten Finger- und Fussnaegeln (meine erste Mani- und Pedicure) steht den Feiertagen und einem guten Rutsch ins neue Jahr nichts mehr entgegen.
Trotzdem bin ich froh, dass das Wetter mich davon abhaelt zu sehr in Weihnachtsstimmung zu sein. Auch wenn hier 50% der Bevoelkerung mit "lustigen" Weihnachtsmannmuetzen und Rentiergeweihen rumlaeuft.
Ansonsten wuerde dieser Eintrag wohl noch laenger werden als der davor, inklusive aller Aktivitaeten die ich in diesem Jahr vermisse und definitiv naechstes Jahr nachholen werde: Gluehweihn trinken, Weihnachtsessen mit den Maedchen, Rotweinschorle im Stadttheater, meine Familie und, und, und.

Ganz kurz noch zu meinen ersten Tagen in Australien: Sydney ist toll, die Leute hier sind super freundlich, ich wohne seit ein paar Tagen in einer 7er WG die multikultureller nicht sein koennte, esse jeden Tag asiatisch und geniesse sehr die Zeit!

Sonntag, 21. Dezember 2008

Das wirrwarrsche Lateinamerika ABC

So schnell kanns gehen! Und ehe man sich versieht sind 6 Monate vorbei und man findet sich ploetzlich in Australien wieder.
Ich hab zwar ueberhaupt keine Zeit wehmuetig zu werden und Sydney gefaellt mir auch viel zu gut um truebsal zu blasen und den letzten Monaten nachzutrauern, aber nichts desto trotz ist ein halbes Jahr schon eine ganze Menge und ich habe Eindruecke gewonnen mit denen ich garantiert noch eine Weile beschaeftigt bin und niemals vergessen werde!
Zudem konnte ich meiner Reise einen Abschluss bereiten wie er besser wohl nicht haette sein koennen. Ich habe die letzten zwei Tage in Santiago de Chile in einer Familie verbracht deren Sohn ich in Bolivien kennen gelernt habe. Nach kuerzester Zeit kannte ich dann so gut wie alle Mitglieder von der Oma bis zur Cousine und konnte mich ein letztes Mal von der unendlichen Gastfreundschaft und Hilsbereitschaft ueberzeugen.
Und als waere das noch nicht genug gewesen: Waehrend ich auf meinen Shuttlebus zum Flughafen gewartet habe, hat die Erde gezittert. Zwar war es so leicht, dass man es nur im absoluten Ruhezustand gemerkt hat, aber ich habe mich sehr gerne auf diese Weise von diesem Kontinent verabschiedet.

An dieser Stelle zu sagen was mein Lieblingsort, -land, -baum, -essen oder sonstwas war wuerde sich sehr schwierig gestalten, deshalb habe ich versucht hiermit ein paar Eindruecke zu sammeln. Und da das Alphabet viele Buchstaben hat und ich viel zu schreiben, wird es diesmal ein wenig ausfuehrlicher.

A - Asiatisches Kueche
Sollte Jemand meine Leidenschaft fuer das Essen aus dieser Region teilen, so gebe ich den Tipp eine Menge davon vor einer Reise nach Lateinamerika zu verzehren! Ich habe nicht einmal ein Gericht erhalten was nur annaehernd Thailaendisch oder Vietnamesisch geschmeckt hat, auch wenn das Name des Restaurants und Menu versprochen haben. Nur die Chinesen lassen einen natuerlich auch hier nicht im Stich und sorgen fuer einen Lichtblick. Das allerdings schon ueber einen so langen Zeitraum, dass jedenfalls die Peruaner behaupten gebratener Reis (Arroz Chaufa), auch wenn man ihn in einem chinesischen Restaurant bestellt, waere eigentlich ein traditionelles, peruanisches Essen.

B - Busse
Jetzt kann ich es ja endlich schreiben: Busfahren in Lateinamerika ist ein Abenteuer! Wobei ich Chile, Argentinien und Uruguay davon ausnehmen wuerde.
In allen anderen Laendern allerdings hab ich in Bussen gesessen aus denen ich schweissgebadet ausgestiegen bin und heilfroh war den Talisman von meiner Oma um den Hals zu haben! Ich hatte ja keine Ahnung, dass ein Bus sich zum Beispiel so in die Kurve legen kann ohne umzukippen. Hinzu kommt, dass es natuerlich keine Beschraenkung gibt wieviele Personen, Huehner, Landwirtschaftserzeugnisse und Motorsaegen man in einem Bus transportieren darf und so weiss man gar nicht wovor man zuerst Angst haben soll: Zerquetscht zu werden von einem Traktorreifen, erstunken von dem Koka kauenden und spuckenden Sitznachbarn oder der freie Fall ueber einen der ewigen Abhaenge weil das Fahrzeug leider auseinandergefallen ist als es versucht hat mit 150 kmh auf einer Schotterpiste die Kurve zu nehmen.
Aber: Mir ist nie etwas passiert, es gab nur eine Reifenpanne und ich hab auch immer mein Gepaeck wieder bekommen auch wenn es noch so provisorisch aufs Dach gebunden wurde. Und Christiane: Ich hab fast immer in der Mitte gesessen!

C - Cena
Cena bedeutet eigentlich Abendessen und was bei uns schon ab 18 Uhr eingenommen werden kann, daran wird hier fruehestens um 22 Uhr gedacht.
Waehrend auch mein Freundeskreis nicht juenger wird und hier und da Stimmen laut werden die nicht mehr spaeter als 21 Uhr essen koennen oder wollen, so waere das alleine schon nicht moeglich, weil viele Restaurants um die Uhrzeit noch gar nicht auf haben. Und da man auch erst ab 2 Uhr feiern geht und das Wochenende bereits Mittwoch beginnt, so kann man das ueppige Mahl gleich wieder abtanzen.
Als Miko und ich um 2 Uhr morgens allerdings mit unserem 500 Gramm Steak fertig waren, da haben unsere mueden Fuesse den vollgefutterten Bauch gerade noch ins Hotelzimmer schleppen koennen. Ich konnte mich bis zum Schluss nicht dran gewoehnen und bleibe weiterhin bei der deutschen Abendbrotzeit.

D - Dulce de Leche
Ich esse gerne suess. Genau genommen esse ich fast alles was suess ist.
Dulce de Leche allerdings ist sowas von suess, dass selbst ich kapitulieren musste.
Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann besteht es eigentlich nur aus Kondensmilch und Zucker und ist um viele Ecken verwandt mit Caramel.
Jedenfalls findet es Verwendung in allem was eh schon so suess ist, dass es einem die Gesichtsmuskeln zusammen zieht. Aber nicht um den ganzen eine dezente Note zu geben, sondern um es komplett darin einzuschmieren so dass man am Ende nichts anderes mehr schmeckt. Aber das schlimmste ist: man gewoehnt sich dran!

E - Essen
Na gut, in Mexiko hab ich ein wenig rumgezickt was das Essen an geht, aber daran war ja nur mein verweichlichter Magen schuld und wenn ich jetzt daran zurueck denke bekomme ich fast Appetit auf einen Pollo Taco. Ansonsten wurden meine Erwartungen ueberall uebertroffen und ich habe in jedem Land mindestens ein Lieblingsgericht.
Und da wir schon bei E sind und es sich fast nur ums Essen gedreht hat bis jetzt werde ich mal ein wenig technischer.

F - Fussgaengerampeln
No hay! Nicht vorhanden! Gibts nicht! Kannste vergessen! Es gibt hier und da Zebrastreifen, aber entweder haben die international nicht dieselbe Bedeutung oder es interessiert einfach keinen. Das Beste ist: Sich vergewissern, dass auch wirklich ueberhaupt kein Auto in der Naehe ist, ein Stossgebet gen Himmel schicken und die Hacken in Teer hauen. Na gut, so schlimm war es nicht immer, aber es entspricht auf jeden Fall der Wahrheit, dass der Fussgaenger an sich nach dem Hund das niederste Geschoepf auf der Strasse ist.

G - Gefahren
Was hab ich mir fuer Horrorgeschichten anhoeren muessen bevor ich gefahren bin! Warum genau werden einem diese Ereignisse berichtet? Damit man vorsichtiger ist? Damit die Gespraechsperson auch was gesagt hat oder um einfach gleich zu Hause zu bleiben? Laut Beschreibung des Auswaertigen Amtes habe ich mich auf jeden Fall diverse Male in Lebensgefahr begeben. Natuerlich gibt einige Sachen die man einfach nicht macht und bei der Naivitaet die ich bei einigen gerade jungen Reisenden gesehen habe, hat es mir manchmal die Fussnaegel hoch geklappt. Man kann immer Pech haben und in heikle Situationen geraten, aber ich denke wenn man aufmerksam ist, sich umhoert und immer mit so wenig Wertsachen wie moeglich umher zieht, dann gibt es keinen Grund paranoid zu werden und man kann sehr entspannt reisen. Meine Bilanz besteht aus einem falschen Fuffziger und wahrscheinlich unzaehligen ueberteuerten Touristenpreisen. Ich denke damit kann man leben!

H - Hygiene
Ich musste schon hin und wieder mal schlucken wenn ich gesehen habe wie mit Lebensmitteln umgegangen wird. Allerdings ist es oft auch ein viel natuerlicherer Umgang und wenn man sich erstmal daran gewoehnt und nicht krank wird, dann faellt einem auf, dass man es vielleicht in der Vergangenheit auch uebertrieben hat. Es gab zum Beispiel gerade weiter noerdlich so gut wie nie Kuehlschraenke, aber man hat einfach nur tageweise eingekauft und es ist noch nie jemand daran gestorben einen Kaese zu essen der vielleicht hier und da schon ein wenig eingetrocknet ist. Ich hab mich dann manchmal dafuer geschaemt, dass ich ihn in Deutschland deshalb eventuell weggeschmissen haette.

I - Internet
Noch nie war mir das World Wide Web so wichtig wie in dieser Zeit und ich kann glaub ich behaupten, dass ich ohne die Moeglichkeit digitale Nachrichten an Familie und Freunde zu schicken nicht fuer so lange Zeit so weit weggefahren waere.
Und ich war ueberrascht dass man doch fast ueberall die Moeglichkeit hatte online zu gehen. Manchmal war das Wort Internetcafe fuer eine Garage mit zwei uralten Rechnern vielleicht ein wenig uebertrieben, aber auch wenn es stundenlang dauern konnte, so gab es doch ueberall Einrichtungen in irgendeiner Form. Am liebsten war mir der Ort in Muisne bei dem eine ganze Ecuadorianische Familie mir dabei ueber die Schulter gesehen hat und bei den Werbefotos auf der GMX Seite gefragt hat ob es sich dabei um meine Freunde handelt.

J - Jugend
Mit einem deutlichen Nord-West-Gefaelle wuerde ich behaupten, dass man in vielen Laendern nicht mal von einer Jugend sprechen kann, da man von der Kindheit eigentlich direkt zum Erwachsenen ueber geht. Ich habe viele sehr junge Paare mit Kindern gesehen und in Peru zum Beispiel lebt man als Familie zusammen sobald die Frau schwanger wird, auch wenn es sich nur um einen One-Night-Stand handelt. Meistens haben die Familien eh kein Geld um zu heiraten. In Chile ist mir dann das erste mal wieder die Jugend wie ich sie beschreiben wuerde aufgefallen. Es gab verschiedene Moderichtungen die sich in Kleidung und Musikstil wieder spiegelten.
Und glaubt man es oder nicht: Tokyo Hotel tragen einen grossen Teil dazu bei!

K - Komplimente
Ich werde eingehen wie eine Primel! Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Komplimente bekommen! Vielleicht war es anfangs etwas befremdlich wenn man immer angestarrt wird und ueberall Kommentare abgegeben werden, aber wer wuerde sich nicht schnell daran gewoehnen in Supermaerkten, auf der Strasse oder in Bars als Schoene, Huebsche oder sonstwas bezeichnet zu werden. Auch ist es natuerlich recht voerderlich wenn man trotz einer Groesse von 1,60m immer zu den Groesseren gehoert. Und wenn dann das hiesige Schoenheitsideal auch noch mehr als rundliche Formen sind, dann macht es mir nichts aus dem zu trotzen und mich als ultraschlank zu fuehlen. Gott sei dank hatte ich Chile und Argentinien um mich langsam wieder zu entwoehnen!

L - Luftverschmutzung
Wenn ich das naechste mal wieder mit meinem Fahrrad durch Berlin fahre und mich ein kleines Huesteln ueberfaellt weil ich Auspuffgase abbekommen habe, dann werde ich mich hoffentlich an die Luft in Mexiko Stadt, Lima oder sonst einer der grossen Staedte erinnern und mich ueber die frische Luft freuen. Gefreut hab ich mich uebrigens auch ueber die ganzen tollen alten Autos die ueberall rumgefahren sind, aber leider hatte das auch zur Folge, dass man sich fragt warum auf den Zigarettenpackungen vergilbte Zaehne zur Abschreckung gedruckt sind wenn man seine Lunge doch viel einfacher damit vergiften kann indem man draussen spazieren geht.

M - Maerkte
Es gibt eine Sache die ich sehr gerne genau so mit nach Deutschland nehmen wuerde und das sind die ganzen tollen Maerkte die ich besuchen konnte. Ich liebe den Markt im Prenzlauer Berg aber das kann man natuerlich nicht vergleichen. Erstens ist ein Markt hier meistens jeden Tag, riesig, bunt, laut, billig und einem steigen von ueberall her die unterschiedlichsten Gerueche in die Nase. Und wenn man mehr als ein Auge zudrueckt und sich von den hygienischen Umstaenden in den Garkuechen nicht verunsichern laesst, dann kann man fuer fast umsonst schlemmen und alle lokalen Koestlichkeiten ausprobieren.

N - Nachtfahrten
Ich kann gar nicht sagen wieviele Stunden ich auf der Autobahn (oder einer aehnlichen Einrichtung) verbracht habe, aber besonders nach der Zeit in Ecuador wo die Busse mit Semi-Cama Sitzen ausgestattet waren und nicht mehr auseinander zu fallen drohten, war dies eine sehr gute Alternative von A nach B zu kommen ohne viel Geld oder Zeit zu verlieren. Und dank der oft sehr schlechten Hostelmatratzen war es manchmal sogar die bequemere Loesung die Nacht zu verbringen.

O - Obst
Nie wieder werde ich eine Mango essen koennen ohne dabei an die herrlich schmeckende Frucht zu denken die ich eigentlich erst hier richtig kennen gelernt habe.
Leider macht sich auch in diesen Laendern der Wahn breit jede Frucht anbieten zu muessen und so gibt es tatsaechlich auch Obst das nicht gut schmeckt, aber das laesst sich sehr leicht daran erkennen, dass es das teuerste ist. Versucht man allerdings so kostenguenstig wie moeglich seinen Obstkorb zu fuellen, so kann man sicher sein, dass man es mit Koestlichkeiten aus der Region zu tun bekommt und spaetestens als ich eine Passionsfrucht frisch vom Baum gegessen habe fuehlte ich mich im Paradies. Das hat natuerlich auch zur Folge, dass man einen frisch gepressten Orangensaft schon fuer weniger als 50 Cent bekommen kann.

P - Plaza de Arma
Sobald eine Ansiedlung von Haeusern eine bestimmte Anzahl ueberschreitet muss es einen Plaza de Arma geben. Waehrend man ihn manchmal nicht mal als Platz identifizieren kann, so sind ihm in Grossstaedten keine Grenzen gesetzt.
Auf jeden Fall ist es der perfekte Platz um das Geschehen auf sich wirken zu lassen und ich hab mir auf unzaehligen Baenken den Hintern platt gesessen.

Q - Quasselstrippen
So wuerde ich den Lateinamerikaner an sich ohne Scheu bezeichnen. Bei einigen dauert es vielleicht ein wenig, aber hat man das Vertrauen gewonnen, so ist dem Ausmass keine Grenze gesetzt. Leider muss ich zugeben, dass ich die erste Zeit nur sehr wenig davon verstanden habe was mir mitgeteilt wurde, aber sehr schnell hab ich rausgefunden, dass es darum auch nicht immer geht.

R - Raumspray
Zuerst war ich mir nicht sicher ob ich es persoenlich nehmen sollte. Ueberall wo ich sass und stand hoerte ich ein lautes Zischen und es verbreitete sich auch schnell der penetrante Geruch eines Raumsprays. Sei es in dem Kinderheim, im Internetcafe oder beim Friseur. Ich habe allerdings beschlossen, dass es nichts mit mir zu tun haben kann und auch wenn ich vor einigen Monaten den letzten Tropfen aus meinem geliebten Parfum gequetscht habe und meine Garderobe auch schon mal oefter gewaschen wurde, so moechte ich doch behaupten, dass das Ergebnis dieses Raumduftes garantiert auch nicht besser ist.

S - Siesta
Ich versteh das nicht! Muss denn ausser mir niemand zwischen circa 15 Uhr und 18 Uhr mal was besorgen? Ich verstehe ja, dass es sehr warm werden kann und dass man auch eine Pause braucht, aber was genau macht die Bevoelkerung in dieser Zeit?

T - Tanzen
Es ist kein Geruecht und ich habe mich hin und wieder davon ueberzeugen koennen. Der groesste Teil der maennlichen Bevoelkerung in Lateinamerika kann tanzen! Da es unendlich viele Tanzrichtungen gibt ist auch fuer jeden was dabei und es gehoert einfach dazu und wird nicht im geringsten als unmaennlich angesehen.

U - Urlaub
Ohne Geld, Arbeit und Perspektive ist an Urlaub natuerlich nicht zu denken und gerade in Mexiko, Ecuador und Peru habe ich viele Leute getroffen die noch nie aus ihrer Region, einige sogar aus ihrem Ort rausgekommen sind. Wenn ich dann gefragt wurde wie lange ich unterwegs bin habe ich meine Erzaehlungen fast immer angepasst und zum Beispiel nur ueber ein Land gesprochen. Trotzdem waren meine Geschichten fuer einige so unwirklich wie eine Mondfahrt. Auch das war in Chile und Argentinien komplett anders. Hier gehoert bei der reichen Bevoelkerung ein Aufenthalt oder sogar ein Studium in Europa zum guten Ton.

W - Waehrung
Ich hatte ja nun doch immer so ein bis zwei Tage um mich an eine Waehrung zu gewoehnen, aber sieben verschiedene Muenzen, Scheine und Umrechnungskurse in sechs Monaten haben mich schon hin und wieder mal durcheinander gebracht. Und aus irgend einem Grund hab ich es nie geschafft mich vor Einreise zu erkundigen und bin mindestens den ersten Tag im voelligen Dunkel getappt. Kein Wunder, dass die Taxifahrt vom Flughafen oder Busterminal immer die teuerste ist wenn alle so Unwissend anfangen wie ich.

Z - Zeitumstellung
Ja ich weiss, hier fehlen zwei Buchstaben, aber diejenigen die das Alles bis hierhin verfolgt haben werden es mir bestimmt nicht uebel nehmen und haben auch langsam mal anderes zu tun. Also Zeitumstellung: Ich bin zum Glueck kein Grosser Leidtragender des gemeinen Jet Lags und solange mein Koerper regelmaessig Essen und Schlaf bekommt kann man ziemlich viel mit ihm anstellen, aber diese Umrechnerei nach Deutschland hat auf jeden Fall mein Hirn auf Trapp gehalten.

ENDE

Dienstag, 16. Dezember 2008

Und was ist mit Otto, Mike Krueger, Didi Hallervorden???

Mir wurde gestern eine schreckliche Geschichte zugetragen!
Vielleicht ist sie auch allgemein bekannt und ich habe bisher nur versucht meine Augen davor zu verschliessen und sie aus meinem Bewusstsein zu verbannen:
Der Deutsche an sich gilt im Ausland allgemein als humorlos, oder auch: besitzt keinen Sinn fuer Humor.
Ist denn das zu fassen? Und das von einem Hollaender! Wobei ich doch trotz aller Vorurteile gerade mit den Hollaendern waehrend meiner Reise immer sehr viel Spass hatte.
Ich wuerde von mir behaupten, dass ich eine sehr humorvolle Familie, einen ueberaus humorvollen Freundeskreis und einen recht humorvollen Bekanntenkreis besitze.
Und da ich selber auch hin und wieder mal den ein oder anderen Menschen zum schmunzeln bringe, habe ich mir fuer die Weiterreise zur Aufgabe gemacht diesem unangenehmen Vorurteil entgegen zu wirken! So!

Jetzt gehe ich ueber zu den erfreulicheren Dingen im Leben!
Nur noch zwei Tage in Suedamerika bis es weiter nach Australien geht!
Heute Argentinien, morgen Chile und uebermorgen Australien, hoert sich ziemlich gut an wuerde ich sagen.
Trotz aller Vorfreude ist das halbe Jahr natuerlich an mir nicht ganz spurlos vorueber gezogen und ich werde nicht nur die spanische Sprache um mich rum vermissen.
Aber dazu in meinem naechsten Eintrag mehr.

Die letzten Stunden in Argentinien sind angebrochen und ich moechte noch mal eine kleine Queersumme aus "alle sind arrogant" und "Buenos Aires ist toll" ziehen.
Ich wuerde schon behaupten, dass der Argentinier an sich machmal ein wenig zu viel auf sein Land haelt. Fragt man zum Beispiel ob Ort, Platz oder Strand xy schoen sind, so bekommt man auf jeden Fall eine mehr als positive Antwort und sollte es sich dabei um eine Muellhalde halten. Ich habe mich einmal ein wenig negativ zu dem Essen im Bus geaeussert worauf ich gleich empoert angestarrt wurde und man mich darauf aufmerksam machte, dass es doch auf jeden Fall besser sei als im Flugzeug.
Ich bin wohl immer mit der falschen Busgesellschaft gefahren, jedenfalls hab ich noch keins dieser pappigsten aller pappigsten Sandwiches runter bekommen die dort serviert werden.
Allerdings ist Argentinien wirklich wunderschoen und es gibt einfach sehr viele tolle Ecken. Zudem ist es sehr anders als die Laender in denen ich davor war und vielleicht bin ich am Anfang einfach an die falschen Leute geraten.
Seitdem hab ich allerdings auch wieder sehr viele nette Menschen getroffen und ich kann dieses Land durchaus als Urlaubsziel empfehlen!

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Hasta luego Buenos Aires

Ich hatte noch eine Sache zu Madonna vergessen!
Sie hat natuerlich auch "Don't cry for me Argentina" gesungen. Das ging sogar ohne Discobeat. Alle haben mitgesungen und es flossen sehr viele Traenen.
Das war schon schoen!

Und da ich gestern Abend Buenos Aires verlassen habe und diese schoene Stadt ganz anders ist als der Rest von Argentinien, gibt es einen kurzen Abschlussbericht.
Dazu gehoert auch eine Sache die einfach sehr seltsam ist und die ich trotz fragen nicht verstanden habe.
Aus irgend einem Grund gibt es naemlich keine Muenzen. Nicht nur, dass das Wechselgeld knapp ist. Deshalb muss man bei ungeraden Betraegen oefter mal eine trockene Waffel dazu kaufen um auf einen runden Betrag zu kommen, denn "moneda no hay...".
Da man aber im Bus mit passenden Muenzen bezahlen muss, bin ich nur einmal in den Genuss gekommen...so viel dazu.

Ansonsten hab ich aber alles so weit verstanden und fuer sehr gut befunden!
Es wird zum einen naemlich nicht nur Musik gehoert und gemacht sondern auch ueberall dazu getanzt. So trug es sich zum Beispiel zu an einem Abend um die Ecke auf einem Platz. Da wird die Stereoanlage aufgebaut, ein paar Stuehle zur Seite geschoben, Schuehchen und Roecke angezogen und los geht der Tango.
Als die Anlage um zwei Uhr Nachts abgebaut wurde, stellten sich kurz ein paar Strassenmusikanten zur Verfuegung und es wurde etwas legerer weiter gemacht.
Und schwuppdiwupp ist es morgens und alle Menschen sind immer noch auf der Strasse.
Buenos Aires ist auf jeden Fall eine Stadt die nicht schlaeft.
Deshalb kam es mir ganz gelegen 18 Stunden im Nachtbus zu verbringen um von eben diesem ein wenig nachzuholen.

Und hier wieder was zum gucken: http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/

Sonntag, 7. Dezember 2008

Anmerkung zum Blogeintrag vom 30.11.2008

Ich hab jetzt eine Erklaerung fuer das Benehmen einiger Argentinier die ich bis jetzt getroffen habe: Die sind einfach nur beleidigt weil sie nicht in Buenos Aires leben!
Kaum sind wir hier mit dem Schiff aus Uruguay angekommen, waren alle wieder freundlich, zuvorkommend und interessiert.
Es gibt in dieser Stadt aber auch wirklich keinen Grund schlecht Gelaunt zu sein. Das Wetter ist toll, es gibt schoene Parks, tolle Wohnviertel und unendlich viele nette Laeden.
Und zudem hatte ich endlich ein hervorragendes Steak. Genau genommen das beste Steak meines Lebens!
Miko ist gestern Richtung Heimat geflogen, aber vorher haben wir so ziemlich jede Stunde in dieser Stadt genutzt und leiden jetzt wohl beide an Platten Fuessen, Schlafmangel und einem Loch in der Reisekasse, aber man kann hier auch einfach nicht anders.
So ging es also von Tangoshow bis hin zu einem Madonna Konzert.
Nicht dass ich jemals Fan war oder auch nur ein Album besitze, aber sie mal live zu sehen war schon ein echtes Erlebnis. Auch wenn leider die ganzen Klassiker mit einem schlimmen 80er Jahre Beat unterlegt wurden so vergingen die 2,5 Stunden wie im Fluge und der Sound hat uns im wahrsten Sinne des Wortes weggepustet.
Buenos Aires war auf jeden Fall ein kroenender Abschluss fuer unsere sehr schoene gemeinsame Reise!