Sonntag, 27. Juli 2008

Ich gruess mit meinem Sombrero, te quiero...

Palenque war wie zu erwarten sehr beeindruckend und man haette wahrscheinlich gleich ein paar Tage dort verbringen sollen.
Leider war der Tag mit Agua Azul, einem zweiten Wasserfall und einer ueber vier stuendigen Fahrt schon recht ausgefuellt bis wir bei den Ruinen ankamen.
Hab natuerlich auch die ein oder andere Ecke photographisch festgehalten (http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/) und wer noch mehr wissen moechte: http://de.wikipedia.org/wiki/Palenque
Ich muss jetzt und hier allerdings zugeben, dass es mich zwar sehr beeindruckt wenn ich darueber nachdenke wie alt das ganze ist und was da alles passiert ist, aber Natur (zum Beispiel die tierisch lauten Bruellaffen in der Umgebung) beeindruckt mich irgendwie mehr. So, jetzt ist es raus, tut mir leid.

Aber ich bleibe weiter dran und bin deshalb am naechsten Tag weiter nach Mexiko Stadt gefahren wo ich noch drei Tage den Grossstadttrubel in mir aufsaugen konnte bevor es morgen nach Ecuador geht.

Deshalb hier auch mein kleiner Abschiedsbericht zu Mexiko:
Auch wenn ich bis jetzt nicht verstehe warum in einem kleinen Imbiss mit Plastikstuehlen ein riesen Flachbildschirm haengen muss auf dem die schlimmsten Telenovelas in hoechster Lautstaerke uebertragen werden, ich bis jetzt nicht ganz mit dem Essen klargekommen bin und auch noch nie in einem Land gereist bin in dem man mit dickem Pullover ins Auto steigt und zwei Stunden spaeter im Bikini schwitzt, so war es doch ein wunderbares Land um die Reise zu beginnen!
Ich wurde hier ueberall sehr freundlich empfangen und hab mich die meiste Zeit ziemlich wohl und sicher gefuehlt. Mein Spanisch ist natuerlich immer noch weit von fliessend entfernt, aber neben allen anderen Laendern auf der Welt die diese Sprache sprechen, ist das Mexikanische Spanisch wohl am besten zu verstehen und somit auch perfekt zum lernen.
Mal sehen wie weit mich das in den naechsten Laendern bringt. Ich hab auf jeden Fall einen tollen Einblick in dieses Land mit den lebensfrohen Menschen bekommen und man koennte hier garantiert monatelang reisen und wuerde immer wieder was Neues entdecken.
Ach so, ich hab hier uebrigens nur 3 Kakerlaken gesehen, davon war eine schon vertrocknet und die anderen draussen. Da hab ich in der Zeit mehr gesehen als ich bei der FastFood Kette meines Vertrauens gearbeitet hab...
Und Sombreros werden hier uebrigens nur von den Mariachis getragen.

Und was waere eine Reise ohne die Menschen die man auf dem Weg trifft. Da waere zum Beispiel Martin der eigentlich zwei Monate bleiben wollte und jetzt schon seit zwei Jahren in Mexiko ist, oder der Canadier der schon seit 4 Jahren in 82 Laendern dieser Erde unterwegs ist, aber auch der 44 jaehrige Renos der mit zwanzig Jahren ins Gefaengnis musste wegen einer Bandenschiesserei und dort vierzehn Jahre bleiben sollte. Es gibt so viele Gruende eine Reise zu starten!
Einen abend hab ich mit einem aus Honduras, einer Argentinierin und einem Brasilianer Karten gespielt. Das nennt man dan glaub ich Voelkerverstaendigung!

Mittwoch, 23. Juli 2008

San Cristóbal de las Casas - Chiapas

San Cristóbal de las Casas in Chiapas beeindruckt mich sehr! Es liegt auf 2100 m Hoehe und ist nicht nur wunderschoen sondern auch sehr interessant da sich hier koloniale Vergangenheit mit Indígena-Volksgruppen mischt. Man sieht viele tolle, bunte Trachten und hoert die unterschiedlichsten Sprachen die nichts mit dem Spanischen gemeinsam haben.

Ausserdem ist es ein hervorragender Ausgangspunkt fuer diverse Touren.
So war ich schon mit dem Fahrrad unterwegs, was angesichts der Berge rundherum keine Gute Idee war. Leider haben fuenf Wochen ohne Sport sich anscheinend schon extrem auf meine Kondition ausgewirkt. Allerdings habe ich so Doerfer gesehen die man mit dem Auto nicht befahren kann und war sehr ueberrascht von den Dingen die ich zu sehen bekommen habe.
Die Landbevoelkerung lebt zum groessten Teil in den einfachsten Verhaeltnissen, die Haueser bestehen nur aus einem Bretterverschlag und im Garten wird ein wenig Gemuese angebaut und ein paar Tiere gehalten.
Trotzdem haben die Leute eine so positive Ausstrahlung und scheinen so zufrieden, dass ich mich richtig geschaemt hatte ihnen mit so viel Mitleid entgegen zu treten nur weil ihnen so viele materielle Dinge zu fehlen scheinen.

Dieser Eindruck wurde durch meinen gestrigen Ausflug noch bestaerkt als ich eine gefuehrte Tour in zwei umliegende Tzotziles (eine Maya-Untergruppe) Doerfer gemacht habe. Der Grossvater unseres Guides kam aus so einer Gemeinschaft und ich hatte das Gefuehl, dass es ihm weniger nur darum ging durch den Tourismus Geld zu machen als vielmehr darum den Menschen mitzuteilen, dass die Indígena-Gruppen toleriert werden sollten wie sie sind und vor allem Anerkennung bekommen fuer ihre Kulutur und dem staendigen Kampf darum diese zu erhalten.
Ich gebe zu, dass es fuer mich auch ein wenig befremdlich war in der Dorfkirche zu sehen wie Pulsleser Huehner opferten um ihre Patienten zu heilen, aber mit der vorherigen Einleitung und der Erklaerung der Hintergruende bewundere ich sie dafuer wie sie ihre Gemeinschaft fuehren und an ihren Maya Wurzeln festhalten. Ausserdem hab ich mich in einer Kirche noch nie so wohl gefuehlt. Es gibt keine Kirchenbaenke, keine Orgel, weder Kanzel noch Beichtstuehle. Stattdessen brennen auf dem gruenen Fliesenboden, der mit duftenden Piniennadeln bestreut ist, hunderte Kerzen. Jeder kann kommen und gehen wann er will und alte Maya-Rituale werden froehlich mit den Braeuchen des katholischen Glaubens vermischt.
Leider ist das Dorf sehr beliebt fuer Touren dieser Art und nicht alle haben so einen guten Guide wie wir und so war es sehr traurig zu beobachten wie viele Touristen durch ihre Neugier die Zeremonien stoerten und die Dorfbevoelkerung sich wie Affen im Zoo fuehlen mussten.

Abgerundet wurde mein Aufenthalt heute mit einer Fahrt durch eine der tiefsten Flussschluchten der Welt die in einem Stausee mit Kraftwerk endet.
Morgen geht es dann weiter auf den Spuren der Maya nach Palenque.

Freitag, 18. Juli 2008

Fotos

Ich hab jetzt einen Account bei Flickr eingetrichtet, da mir das hier alles zu kompliziert war.
Ein paar Fotos sind schon drauf und ich sag euch Bescheid sollte es Nachschub geben:
http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/sets/72157606227048540/

Mittwoch, 16. Juli 2008

Und ich habs doch getan...

Wir haben in Erfahrung gebracht, dass es einen Strand in Puerto Escondido gibt an dem die Wellen eher unseren Anforderungen entsprachen und so wurde prompt eine Surfstunde organisiert die wir 15 Minuten spaeter antreten konnten.
Die Spontanentscheidung liess mich sogar meine Angst vor Wellen vergessen und so lag ich kurze Zeit spaeter auf einem Surfbrett in den Wogen der Mexikanischen Pazifikkueste.

Und ich muss sagen ich war sehr ueberrascht davon wie schnell man einen ersten Einblick bekommt.
Nicht, dass ich stundenlang ueber die Wellen geritten waere wie ein Profi, aber ich hab die Kraft des Wassers unter dem Brett gespuert und das ist schon ziemlich beeindruckend.
Da ich es beim ersten mal nur auf die Knie geschafft habe hat mich dann doch etwas spaeter noch mal der Ehrgeiz gepackt und mir eine zweite Stunde beschert.
Diesmal hab ich es auf die Fuesse geschafft und Wellen bis zum Strand nehmen koennen (mir fehlt leider noch ein wenig der Fachjargon...)!
Zwei mal....danach war es mit meiner Kraft leider schon vorbei.
Warum sieht eigentlich so viel immer so einfach aus und ist dann am Ende doch so schwer...

Ich weiss es ist aus der Heimat schwer nachzuvollziehen und ich hatte ueberlegt es euch zu ersparen, aber ich muss schon sagen, dass ich gerade mal ein paar Tage ohne schwuele Hitze und Strand auskommen koennte. Alles ist sandig und muffig.
Hinzu kommt, dass ich in dem Hippieort Zipolite gelandet bin und meine Unterkunft dem Backpacker Dasein froent wie nur was. Fliessend Wasser Fehlanzeige, dafuer gibt es einen Verschlag aus Palmenblaettern im Garten mit einer Regentonne.
Morgen oder Uebermorgen gehts weiter nach San Cristobal.

Donnerstag, 10. Juli 2008

Liquids come and liquids go

Der Titel des heutigen Blogs entstammt aus der Feder meiner beiden Mitreisenden Amy und Mario aus New York und bezieht sich auf eine wunderschoene einsame Bucht die wir zusammen in Mazunte (http://www.puertoangel.net/mazunte/mazunte_es.html) erleben durften und einer atemberaubenden Brandung die wir von unseren Zimmern sehen und hoeren konnten.

Es bezieht sich aber auch auf den Dauerregen der uns die letzten Tage begleitet hat und auf eine erneute Verstimmung meines Magens die mich fast zwei Tage auf Trap hielt.
Trotzdem war Mazunte ein tolles Erlebnis und uns plagte sogar ein leichtes Heimweh als wir dann weiter zogen in das Naturschutzgebiet und dort in einem kleinen Dorf wohnten.
Wahrscheinlich war es der andauernde Regen der die ganze Umgebung so skuril wirken liess und auch ein Traumstrand kann durch angespuelten Unrat und leere Strandbars seinen Reiz verlieren.
Mittlerweile sind wir in Puerto Escondido angelangt und heute ist der erste komplette Sonnentag! Hier tummeln sich an verschiedenen Straenden alle Arten von Touristen und man kann es hier schon eine Weile aushalten.
Nur baden kann man nicht, da die Wellen so gigantisch sind!
(Nee, nee, ich geh echt nicht schwimmen, versprochen!)
Dafuer kann man den Surfern bei ihren halsbrecherischen Aktionen zusehen.
Eigentlich wollten wir auch einen Surfkurs machen, aber das ueberlass ich aufgrund der Gegebenheiten tatsaechlich lieber den Profis.

Abschliessend laesst sich noch sagen, dass ich seit fast zwei Wochen kein Deutsch mehr gesprochen hab (wenn man von den zwei Saetzen heute morgen mit der Dame vom Hostel absieht) und nachdem mein Wortschatz New York heil ueberstanden hat, kann ich nach dieser Reise fuer nichts mehr garantieren.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Duett und Datt aus dem Land des Machisme

Eigentlich sollte dieser Blogeintrag ein Referat zum Thema Machisme vs. Homosexualitaet in Mexiko sein, aber da ich mich gestern abend auf den Spuren der landestypischen Alkoholika befand (soll heissen zu viel Tequila, zu viel Mezcal), bin ich heute nicht recht in der Lage ein derart umfangreiches Thema gebuehrend darzulegen.

Vielleicht sollte ich vorab auch noch bemerken, dass meine Feststellungen im Allgemeinen natuerlich nur meiner eigenen Beobachtung entspringen und genau so gut nicht der Wahrheit entsprechen koennten.

Ich versuche das Thema mal so knapp wie moeglich zusammen zu fassen. Also, das mit dem Machisme in Mexiko verhaelt sich so, dass die Maenner hier wohl die Pantoffeln anhaben, dafuer aber auch der Dame so ziemlich jeden Wunsch erfuellen wollen und auch alles bezahlen. Geht man also mit einigen Herren in eine Bar muessen die dafuer sorge tragen, dass man einen Tisch bekommt. Am einfachsten gelingt das wenn man gleich eine ganze Flasche hochprozentigen Alkohols kauft. Es ist selbstverstaendlich, dass den ganzen Abend auf Rechnung der Herren getrunken wird. Allerdings gibt es einen Punkt an dem man sich besser aus dem Staub macht, da es nicht bei einer Flasche harten Alkohols bleibt und die Gesellschaft dadurch erstens nicht besser wird und man zweitens nicht weiss ob am Ende die Grosszuegigkeit der Herrn auch zu dem Inhalt ihres Geldbeutels passt.

Heute bekam ich den Tipp von meiner Spanischlehrerin, auf dem Buergersteig nicht so dicht an der Strasse zu laufen da es wohl ueblich sei, dass Maennern auf Fahrraedern gelegentlich mal die Hand auf den Hintern einer Dame am Wegesrand rutscht...

Na ja und das mit der Homosexualitaet ist so, dass es in den kleineren Orten offiziell natuerlich keine Schwulen und Lesben gibt. Die meisten Familien sind streng katholisch und knutschende Frauen auf der Strasse waeren wahrscheinlich ein Skandal.
Wobei in Mexiko Stadt sogar der Christopher Street Day gefeiert wurde.
Zitat von meinem Koreanischen Mitschueler: "Ich habe zum ersten mal zwei Maenner kuessen sehen!"
Dank eines schwulen Spanischlehrers aus meiner Schule bekam ich jedoch einen ziemlich tiefen Einblick in die "Szene" in Oaxaca.
Es gibt diverse Lokalitaeten in denen man sich trifft und da es so ziemlich der einzige Ort ist an dem man ganz ungezwungen sein kann wird das natuerlich auch recht ausgelassen gefeiert.
Ich hatte auf jeden Fall einen sehr interessanten Abend und habe mich mit meinem spartanischen Spanisch sehr angeregt unterhalten.
Als man allerdings anfing darueber zu sinnieren wie froh man darueber sei etwas so Besonderes zu sein wurde deutlich, dass Homosexualitaet in Mexiko noch weit davon entfernt ist akzeptiert zu werden und als normal zu gelten. Man koennen wir froh sein, dass wir in Deutschland so tolerant und frei aufwachsen!