Heute war es also so weit, ich hatte meinen letzten Tag im Heim und ich muss schon sagen, dass ich diesen Tag ueber die letzte Woche ein wenig herbei gesehnt hatte.
Auf der einen Seite muss ich mir eingestehen, dass ich einfach keine gute Lehrerin bin.
Oder ist es vielleicht gar nicht so schlimm wenn Ricardo anfaengt zu weinen weil ich es nicht schaffe ihm zu erklaeren wie die Uhr funktioniert?
Hinzu kommt, dass ich im wahrsten Sinne des Wortes oft mit meinem Spanisch am Ende war und zum Schluss einfach auf deutsch angefangen hab zu schimpfen. Ist aber komischer Weise meistens angekommen.
Trotzdem hat es nicht gereicht und mich hat das ein oder andere Kind so sehr zur Weissglut gebracht, dass ich es vielleicht irgendwann mal gepackt und geschuettelt haette. Was eigentlich nicht meinem Naturell entspricht.
Allerdings haben die Jungs es immer wieder geschafft im letzten Moment das Ruder herum zu reissen und ich konnte ihnen nie lange boese sein.
Was mich wohl am meisten aufgeregt hat war, dass ich in meiner Schulzeit die Lehrer am wenigsten ausstehen konnte die immer alles persoenlich genommen haben. Und im Heim war ich kurz davor genau diesen Charakterzug anzunehmen.
Wenn ich dann allerdings den kleinen Knirps Jesus belausche wie er zu Leonel sagt, dass die Hip Hop Stunde ziemlich cool war, obwohl ich ihn fast an den Ohren ins Klassenzimmer schleifen musste, dann ist alles wieder gut.
Im Allgemeinen bin ich immer noch sehr froh ueber diese Erfahrung und ich haette wahrscheinlich nicht mal die Haelfte zu erzaehlen wenn ich einfach nur durch Peru gereist waere.
Trotzdem faellt einem so noch mehr auf wie unterschiedlich die Welten sind und mir wird von Tag zu Tag mehr bewusst, dass ich hier einfach nicht hin gehoere.
Und das liegt nicht daran, dass es nicht immer Wasser gibt, keine Fastfoood Kette oder die Strassen blitzeblank sind.
Es gibt so viele Umstaende die fuer mich zu einem schoenen Leben dazu gehoeren (die nicht immer mit Geld zu tun haben) und die hier einfach unwichtig sind.
Das faengt schon bei der Einrichtung der Wohnung an. Es muss praktisch sein und eine Neonleuchte spendet nunmal viel Licht. Und wenn im Wohnzimmer Platz fuer das Fahrrad ist, warum soll es dann da nicht auch stehen? Sofas sind zum Hinsetzen da, Gardinen vor die Fenster, der Boden praktisch zum sauberhalten und ein Schlafzimmer ist mit einem Bett, einem Schrank und einem Schreibtisch ausreichend eingerichtet. Ich hoffe ihr koennt ein wenig nachvollziehen was ich meine.
Da die Sonne in der Tat sehr aggressiv ist findet auf der Strasse nur geschaeftiges Treiben statt.
Bei uns haette man eine Dachterrasse sofort mit dem noetigen Equipment ausgestattet fuer angenehme Stunden, hier werden die Hunde auf dem Dach gehalten.
Und dann die Geschichte mit dem Popeln...man traegt hier den Finger gerne in der Nase...andere Laender, andere Sitten (sorry Pati, nicht wuergen!).
Ich moechte aber keinen falschen Eindruck hinterlassen, denn ich habe hier ganz viele tolle Menschen kennengelernt und sehr viel Herzlichkeit erfahren und bin Dank meiner Arbeit auf sehr viel Gastfreundschaft und Neugier gestossen.
Auf der Strasse hat sich diese Neugier natuerlich darin geaeussert, dass ich sehr viel angestarrt wurde. Woran man sich zwar ein wenig gewoehnen kann, was einen aber immer wieder spueren laesst, dass man anders ist.
Leider teilte ich mein Schicksal mit einigen Mormonenkindern die hier ihr Glueck versuchen die Bevoelkerung zu bekehren. Auf deren "Hola (wir wissen wie du dich fuehlst, wir sitzen im selben Boot)" haette ich dann auch noch verzichten koennen.
Zum Abschluss noch drei kleine Anekdoten aus dem Andenstaedtchen Huancayo:
Viele Eltern bevorzugen amerikanische Namen fuer Ihren Nachwuchs. Da man sich mit der Schreibweise allerdings oft nicht ganz einig ist entstehen so schoene Namen wie Rosebilt fuer Roosevelt oder Brayan (um nur zwei zu nennen).
Da nicht alle ein Handy besitzen bzw. kein Guthaben aufladen, laufen ueberall Angestellte einer Telefongesellschaft durch die Gegend, bewaffnet mit einigen Mobiltelefonen um sie an vorbeilaufende Passanten fuer ein Gespraech zu vermieten.
Das ist eine Goldgrube!
Und zuletzt moechte ich noch auf das Preis-Leistungsverhaeltnis aufmerksam machen.
Es ist allgemein bekannt, dass man in Suedamerika mehr bekommt fuer sein Geld als in Europa, aber hier mal eine kleine Liste der Sachen die man hier fuer 1€ bekommt: 4 Stunden Internet, oder einen Haarschnitt oder 6 Busfahrten oder 20 Packungen Naehgarn oder 4 Eis oder 8 Salatkoepfe oder 5 Liter Wasser oder oder oder....
So, viel Text, dazu soll es auch Bildmaterial geben: http://www.flickr.com/photos/14669014@N03/sets/72157607456087488/detail/
Morgen geht es zurueck nach Lima und dann weiter Richtung Sueden bis ich naechste Woche Samstag Christian in Santiago de Chile treffen werde!!
Freitag, 3. Oktober 2008
Ein weiteres Abenteuer liegt hinter mir
Labels:
Peru
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