Ich hab mich schon oft gefragt warum es eigentlich die huebschen, sauberen Tauben im Park gibt und die dreckigen, Muell fressenden Tauben in der Stadt mit den verkrueppelten Fuessen.
Warum leben die freiwillig zwischen den Menschen und Autos und ziehen nicht um aufs Land oder auf eine Gruenflaeche? Umziehen muesste sich doch bei denen ziemlich einfach gestalten.
Auf der Busfahrt von Ecuador nach Lima, Peru (die am Ende 30 Stunden dauerte) musste ich oft daran denken. Leider haben die meisten Leute hier keine Wahl und koennen nicht einfach davon fliegen und woanders wohnen. Ich habe auf dem Weg Landschaften gesehen die fuer mich voellig unbewohnbar erscheinen. Obwohl die Panamericana direkt am Meer entlang fuehrte gab es rundherum nur Sand, Sand und noch mal Sand. Und ich spreche nicht von feinem Wuestensand oder weissem Karibikstrand. Vielmehr sah es aus als haette jemand beschlossen ein riesengrosses Wohngebiet zu bauen und nachdem alles dem Erdboden gleich gemacht wurde, einfach aufgehoert. Die Siedlungen stachen dabei nicht wesentlich hervor sondern erschienen mir genauso trist wie alles andere. Mag vielleicht auch an dem Himmel liegen der so grau war wie ich zuvor noch keinen anderen Himmel gesehen hab.
Weitere sechs Stunden Busfahrt in die Anden wurde die Landschaft allerdings ein wenig farbenfroher und so langsam konnte ich mir vorstellen in einem Ort auszusteigen und die naechsten vier Wochen zu verbringen. Allerdings weiterhin ehrlich gesagt mit einem sehr mulmigen Gefuehl.
Mittlerweile bin ich seit fast einer Woche in Huancayo (http://www.huancayoperu.com/), einem netten 700.000 Mann Staedtchen umzingelt von Bergen.
Die Organisation fuer die ich arbeite besteht nur aus einer Person. Einem 25jaehrigen Studenten der es sich zur Aufgabe gemacht hat das Leben in Peru ein wenig zu verbessern, unerschoepflich interessiert ist an anderen Kulturen und uebermaessig dankbar dafuer ist, dass andere Personen sich auf den Weg machen um ihm zu helfen. Dementsprechend gut gehts mir hier auch. Ich habe quasi meinen eigenen Reisefuehrer und bin ueberaus dankbar dafuer, dass ich so tief in die Kultur und das Leben hier eintauchen kann.
Ich esse peruanisch (seeeehr lecker!!!), ich spreche spanisch (immer noch nicht fliessend), ich arbeite in Peru und unterscheide mich fuer diese Zeit auch sonst nicht gross von der Bevoelkerung in Huancayo und das ist ein ziemlich beeindruckendes Gefuehl. Zudem hab ich seit Tagen keinen Touristen, geschweige denn jemanden mit blonden Haaren gesehen.
Morgens fahren Plinio und ich in ein Dorf in der Naehe. Auf dem Land wird hier zum groessten Teil noch auf offenem Feuer gekocht und da das ungesund und gefaehrlich ist besuchen wir die Familien und bauen ihnen Oefen. Dazu allerdings beim naechsten mal mehr.
Nach einem hervorragenden Mittagessen (wir haben eine tolle Koechin!!) gehts fuer mich dann weiter in ein Waisenhaus in der Stadt. Heute hatte ich meinen dritten Tag und so langsam entspann ich mich und kann die Zeit mit den Kindern geniessen. Ich gebe zu, dass ich mich am Anfang an die Rotznasen, die dreckigen und langen Fingernaegel und die Umgangsformen gewoehnen musste. Mittlerweile hab ich allerdings schon einige der Kinder sehr tief in mein Herz geschlossen! Alle sind komplett unterschiedlich, allerdings alle aus sehr schwierigen Familienverhaeltnissen. Einige sind auch geistig sehr mitgenommen.
Ich muss schon sagen, dass ich mir am Anfang vorkam wie in einem Film. Auf der einen Seite der Junge der nicht spricht und den ganzen Tag nur laeuft oder rennt, an meinem Bein ein kleiner Junge der einfach mal eine feste Umarmung braucht und auf der anderen Seite zwei Jungs die gerade Bloodsport nachspielen.
Ich werde demnaechst bestimmt noch viel mehr berichten. So langsam bekomme ich auch wieder Ordnung in meine Gedanken, aber ich muss schon sagen, dass mich das hier alles am Anfang schon ganz schoen durcheinander gebracht hat.
Trotzdem kann ich jetzt schon sagen, es ist toll ein Voluntaer zu sein und ich hab grosses Glueck mit meiner Oranisation. Und wer sagt, dass man sowas nur macht um sich ein reines Gewissen zu beschaffen dem kann ich nur sagen: es funktioniert! Und ich glaube es ist wichtig, dass gerade solche Kinder wissen, dass sie nicht alleine sind und Menschen aus der ganzen Welt sich fuer sie interessieren. Sei es fuer eine Woche, einen Monat oder ein Jahr.
Und wenn ich Huancayo verlasse und einige Familien wegen meiner Hilfe auf einem Ofen kochen koennen, dann werde ich mich noch lange darueber freuen und bestimmt das ein oder andere mal daran denke wenn ich vor meinem Herd stehe.
Ihr seht, ihr braucht mir nicht auf die Schulter zu klopfen, das hab ich selber schon getan ;-)
Trotzdem werde ich garantiert kein Dauervoluntaer wie man sie auf Reisen so oft trifft.
Fuer mich hoert es dann auf wenn ich gefragt werde, ob mein Ipod auch aus der Special Edition ist bei der 10 Dollar nach Afrika gehen....
Freitag, 12. September 2008
Vom Leben in Peru und anderen schraegen Voegeln
Labels:
Peru
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